Samstag, 28. März 2009

Was passiert bei einem Staatsbankrott?

Bisher galt es als ausgeschlossen, dass in Europa ein Staat bankrott geht. Wir kennen das bisher nur aus Lateinamerika und Afrika. Doch nie war es ein echter Bankrott, denn es gab immer irgendwelche Geldquellen, die, zumindest zur Überbrückung, eingesprungen sind. Siehe Argentinien, wo sich relativ rasch nach dem Staatsbankrott das Wirtschaftsleben und die Gesellschaft wieder "normalisiert" haben. In Afrika spielen andere Faktoren mit, dort sind die Gründe für Staatspleiten meist im politischen System zu suchen, wenn korrupte und skrupellose Stammesfürsten oder Militärs die Macht übernehmen oder Bürgerkriege das Land in den Bankrott treiben. Simbabwe ist ein aktuelles Beispiel.

Nun sind einige Staaten in Europa bereits bankrott oder stehen kurz davor. Die Liste ist lang und das undenkbare ist eingetroffen. Bankrott sind bereits Island, Ungarn, Ukraine, Rumänien, Serbien und Lettland. Kurz davor und schwerst gefährdet sind Irland, Grossbritannien, Spanien, Griechenland, Italien, Bulgarien und Portugal. Auch Österreich wird zu den bankrott-gefährdeten Staaten gezählt, weil durch die Probleme in Osteuropa der Staatshaushalt wegen der Bankengarantien zusammenbrechen kann.

Zur Zeit wird noch versucht, über Internationalen Währungsfond und die Europäische Union die erforderlichen Geldmittel aufzustellen. Doch die Zeit ist das grösste Problem und explosiv wird die Situation, wenn mehrere Staaten zugleich pleite gehen. Dann werden IWF und EU überfordert sein. Auch, weil derzeit noch nicht gefährdete Staaten wie Deutschland selbst grösste Probleme haben, die sie bewältigen müssen. Spätestens dann ist ein Staatsbankrott, ein richtiger Bankrott. Der Staat ist pleite und kann kein Geld mehr ausgeben. Was das bedeuten kann, hat notzeiten.de aufgelistet:

  • Der Staat kann keine Gehälter mehr zahlen.
  • Es werden keine Renten mehr ausgezahlt.
  • Es gibt kein Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld.
  • Die Krankenkassen kollabieren, dadurch kollabiert das Gesundheitssystem.
  • Die Infrastruktur bricht zusammen (Wasser, Abwasser, Strom, Telefon, Internet)
  • Die Kriminalitätsrate wird explodieren. Je wird sich selbst der nächste sein.
  • Alle Fremde werden zum Blitzableiter, geschürt von Extremisten.
  • Die Lebensmittelversorgung bricht zusammen. Die verbleibenden Geschäfte werden geplündert.
  • Die Bevölkerung wird Hunger leiden.
  • Politische Rattenfänger jeglicher Couleur werden versuchen die politische Macht an sich zu reißen.

Leider ist dieses Szenario mehr oder weniger wahrscheinlich. Es wird auch darauf ankommen, ob die Bruchlandung aus heiterem Himmel kommt und weite Teile der Bevölkerung, die Kommunen und auch der Staat kaum vorgesorgt haben oder ob es eher langsam geht, so dass noch Zeit bleibt, Vorsorge zu treffen.

Da die Politik in Europa ausschliesslich "Schönwetterpolitik" betreibt, wird sie einen mölichen Staatsbankrott bis zur letzten Minute "definitiv" und "in aller Deutlichkeit" (um politische Floskeln zu verwenden) ausschliessen. Der Tag der Bruchlandung kommt dann überraschend, zum Leidwesen aller, die der Blauäugigkeit und Infantilität der Politiker geglaubt haben ...

Im Zeitalter der Globalisierung und globalen Vernetzung kann ein Systemkollaps in einem der grossen, wichtigen Staaten, so wie in den USA, weitreichende, katastrophale Folgen für uns alle haben. Dann, liebe Freunde, dann haben wir den Mega Domino Day erreicht. Es werden nur wenige Stunden vergehen, und fast alle Finanz- und Wirtschaftssystem der Welt kollabieren. Das erklärt auch, warum viele Staaten durch Ankauf der US-Staatsanleihen die Vereinigten Staaten stützen, auch wenn es wirtschaftlich gesehen, ein enorm hohes Risiko inne hat. Denn Staatsanleihen sind nach dem Kollaps das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurden!

Angesichts der Tatsache, dass die bisherigen Milliarden Bailouts und Konjunkturrettungsversuche absolut nichts gebracht haben, kann der USA-Kollaps jederzeit stattfinden - ohne Vorwarnung.

Denn mittlerweilen sind nicht nur die Politiker und Manager jene, die die Geschicke der Staaten lenken und beeinflussen. Immer stärker bindet sich das Volk, die Bürger selbst ein, durch Demonstrationen, Revolten, Aufruhr und Rebellion. Ersichtlich ist das jetzt schon in Island, Ungarn, Griechenland, Frankreich, Lettland und immer mehr in den USA! Und das Volk kann durchaus der Auslöser eines Kollaps werden. Insgesamt wächst der Volkszorn auf die Elite und es bedarf nicht mehr viel und dieser bricht mit unheimlicher Wucht und Gewalt aus. Am 1. April ist in London eine "Riesenparty" angesagt, die vier Reiter der Apokalypse werden in der Stadt erscheinen. Ein grosse Ansammlung von Antiglobalisten, Anarchisten, Umweltschützer, Linke, Gewerkschafter und Betroffenen der Wirtschaftskrise werden eine Massendemonstration gegen die Bankster im Herzen von London am 1. April durchführen, der Tag an dem die Staatsoberhäupter aus aller Welt zum G20 Gipfel eintreffen. (alles-schallundrauch.blogspot.com) Auf der Webseite der Organisatoren g-20meltdown.org steht: Am 1. April werden wir der G20 zeigen was ein Zusammenbruch bedeutet. Hast du dein Hause verloren? Deinen Job verloren? Dein Erspartes oder deine Pension verloren? DANN IST DIESE PARTY FÜR DICH! Eine Koalition von über 100 Organisationen sind involviert. die wie sie selbst sagen, die City brennen sehen wollen! Eine "Party" gegen die Elite, gegen die Finanzwelt, gegen die Politik!

Doch was soll uns in Österreich viel passieren, haben wir doch das Lächeln des Faymann, die Versprechen des Treichl und unsere sprichwörtliche Gelassheit ... ;-)


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:


Pröll: Budgetplan nicht einzuhalten (derstandard.at)
Der DAX sucht seinen Boden (handelsblatt.com)
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Chinas Plan für ein neues Welt-Währungssystem (faz.net)
Zinsen purzeln ins Bodenlose (kurier.at)
Reiseverbot für Schweizer Banker (kurier.at)

Michael Winklers Pranger: Der neue Welthandel (michaelwinkler.de)


Fotostrecke:


Zorn der Strasse: Wenn Politiker um ihr Leben fürchten (diepresse.com)



Globale Katastrophe wegen Finanzkrise? UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon warnt vor politischen Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise: Politische Instabilität und Hungeraufstände. Politische Krise als Folge der Finanzkrise, falls Probleme nicht gelöst werden. Globale Katastrophe befürchtet. (mmnews.de)

Proteste gegen G-20-Gipfel: "Noch nie dagewesene Gefahr" - Am Samstag finden in ganz Europa Demonstrationen gegen den Weltfinanzgipfel statt. In London werden tausende Demonstranten zu einem Protestmarsch erwartet. Banken befürchten Angriffe. (diepresse.com)

Finanzwetten haben weiter Hochkonjunktur - Das US-Derivate-Casino ist trotz Finanz- und Wirtschaftskrise weiter in Top-Form, dies zeigen die neuesten Daten des US-Rechnungshofes zum Derivate-Volumen der US-Banken fürs 4. Quartal 2008. Das nominale ausstehende Derivate-Volumen beträgt nun gewaltige 200,4 Billionen Dollar, ein starker Anstieg um +14% zum Vorquartal mit 175,8 Billionen Dollar und um +22,2% zum Vorjahr mit 164,2 Billionen Dollar! Allerdings ist der starke Anstieg durch die Mutation der ehemaligen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley zu regulären Geschäftsbanken zu erklären, denn nur Geschäftsbanken werden im Bericht des Rechnungshofes erfasst. Bisher sind keinerlei derivative Beschränkungen auf einer möglichen Tagesordnung der überfälligen Finanzmarktreform, so das die spekulativen Marktakteure weiterhin ungehindert Derivate emittieren und die Finanzwetten handeln können! (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

G-20: 2 Billionen für Konjunktur - Geheimpapier für Abschlusskommuniqués G-20 Gipfel: 2 Billionen für Konjunktur. G-20 wollen 19 Millionen Arbeitsplätze schaffen. Konkretes Wachstumsziel für Weltwirtschaft 2010. Regulierung „aller Finanzmärkte, Instrumente und Institutionen, einschließlich Hedgefonds, die systemisch wichtig sind“. (mmnews.de)

Die vermeintliche Rückkehr der Politik - Mit der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise, so lautet eine zurzeit gängige These, kehre das Politische in die Politik zurück. Ohne das entschlossene Handeln der politischen Führung in den Industriestaaten wäre das Versagen der Märkte zu einer Katastrophe für die Gesellschaften geworden, sagen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Wie einst Gerhard Schröder verwenden auch sie gern die Formel, es gebe zu ihrer Politik „keine Alternative“. Doch der politische Hintergrund war damals ein anderer. (faz.net)




Sachen zum Schmunzeln (... wenn sie nicht so ernst wären!):



Ein Grilltipp für den Frühling:
Wie jeder gute Hausmann weis, wenn der Frühling kommt, wird es wieder Zeit einer beliebten Freizeitbeschäftigung nachzugehen .... das Grillen im Freien. Dazu muss man die notwendigen Geräte hervorholen und auf Vordermann bringen. Für die welche einen neuen Grill benötigen, habe ich gerade einen guten Tipp herausgefunden, es gibt viele Geschäfte die einen GRATIS-GRILL anbieten! Ja, wirklich. In diesen schweren Zeiten sind Sachen die man umsonst bekommt sehr willkommen. Also los, man kann sich einen gratis Holzkohlengrill in den folgenden Geschäften holen ... (alles-schallundrauch.blogspot.com)







Gibt es Positives an der Krise?
Antworten von Kabarettisten als Ansichtssache in derstandard.at

Andreas Vitasek: Worüber man lachen kann? Ich glaube nicht, dass sich der Humor in einer Finanzkrise ändert, immerhin begann 1929 die Filmkarriere der Marx Brothers. Was sich ändert, ist das Konsumverhalten.



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