Donnerstag, 12. März 2009

Sei wachsam, Holzauge!

Ich habe heute mittag zufällig einen alten Bekannten getroffen. Er ist ein Manager bei einer grossen österreichischen Bank in der Zentrale (was ich nicht wusste, denn wir haben uns seit fast 20 Jahren nicht mehr gesehen ...). Natürlich wurde nach dem kurzen, üblichen Smalltalk über die Krise gesprochen, und ich hatte viele, viele Fragen. Ich dürfe das auch schreiben, wenn sein er und seine Bank nicht namentlich erwähnt werden. Soviel darf ich aber sagen, dass seine Bank im Osteuropageschäft eine führende Position einnimmt. (Das Gespräch ist nicht im Originalwortlaut wiedergegeben, sondern erst nachher aus dem Gedächtnis niedergeschrieben)

...

Wie beurteilst du die Lage? Ist aus deiner Sicht Osteuropa wirklich ein Pulverfass, dass den ganzen Staat mitreissen kann?
Die Lage ist beschissen und hoffnungslos! Osteuropa reisst nicht nur Österreich mit, sondern ganz Europa. Es sind ja nicht nur österreichische Banken involviert. Irgendwie erinnert es an Mai 1931, wo die damalige Creditanstalt der Auslöser für einen Bankencrash war. Nur diesesmal wird es viel, viel ärger!

Aber der Staat Österreich garantiert für die Banken mit 100 Milliarden Euro, das könnte sich, mit ein wenig Glück ausgehen.
Zum einen rechnen wir intern mit einem Ausfall von bis zu 50% und darüber. Denn du darfst nicht vergessen, wenn die Wirtschaft crasht, ist einfach kein Geld mehr da. Wer soll dann irgendwas zurückzahlen können. Am privaten Sektor rechnen wir mit fast Totalausfall. Und zur Staatsgarantie: diese Politiker sind das dümmste, das es gibt! Das ist höchst verantwortungslos gewesen! Österreich garantiert für eine weitaus grössere Summe als Deutschland zum Beispiel (pro Einwohner gerechnet). Das kann sich nie und nimmer ausgehen. Da geht der Staat den Bach runter. Diese Politiker gehören zur Verantwortung gezogen!

Du glaubst also, es wird zum finalen Crash kommen?

Ich erwarte diesen auf jeden Fall heuer noch. Tatsächlich kann dieser jetzt täglich stattfinden. Ob der Auslöser in Amerika, Europa, Osteuropa oder Österreich ist, hängt davon ab, wie schnell sich wo die Dinge entwickeln. Aber es sind noch Leichen in den Kellern, die alles bisherige in den Schatten stellen. Deshalb kann es durchaus sein, dass nicht der Osteuropacrash der finale Auslöser ist. Der Anleihenmarkt, der Derivat-Markt, die Rentenfonds, die Versicherungen, die Grossbanken, diverse bereits bankrotte Staaten, alles birgt unheimlich viel Zündstoff. Und das wirklich Verwerfliche daran ist, dass jeder lügt, dass sich die Balken biegen, nur um Wochen oder Monate zu gewinnen. Die Antwort auf deine Frage: es wird zum finalen Crash kommen - definitiv! Und dieser wird alles bisher dagewesene in den Schatten stellen. Jetzt ist es zu spät, um irgendetwas noch tun zu können ... jetzt heisst es warten und beten!


Es werden aber viele Milliarden als Rettungsversuche ins Geschehen geworfen. Kann das für keine Entspannung sorgen?
Nein, alles was man gewinnt, ist Zeit ... sonst nichts. Das müsste diesen Damen und Herren allerdings klar sein, denn bei diesen Unternehmungen arbeiten die fähigsten Köpfe der Wirtschaft und Finanzwelt mit. Allerdings sieht man daran, wie die Lage tatsächlich ist, nämlich hoffnungslos.

Wird der Euro überleben?

Nein, genausowenig wie der US-Dollar und viele andere Währungen. Obwohl die Gründe des Währungszerfall nicht überall die gleichen sein werden. Der Dollar wird wegen der immensen Geldmenge und der Verschuldung der USA kollabieren. Der Euro wird an der Gemeinschaft, die nicht lange mehr eine ist, zerbrechen. Da werden einige versuchen auszuscheren. Ob der Franken, Rubel, Yuan oder Yen überleben wird, hängt von vielen Faktoren ab, auch von den Verflechtungen in den Euro- und Dollarraum. Unbeschadet wird jedenfalls keine der grossen Währungen bleiben.


Wie schnell wird der Crash einsetzen?

Das hängt auch wieder von vielen Faktoren ab, aber ich denke sehr, sehr schnell. Möglicherweise so schnell, dass keine Zeit bleibt, noch am Bankomaten vorbei zu fahren und abzuheben. Das wird dann nicht mehr funktionieren. Auch die Supermärkte werden binnen kürzester Zeit leer geräumt sein. Alles was hilft, ist ein Spruch aius meiner Kindheit: Sei wachsam, Holzauge! Informier dich, dann weisst du, wann es soweit ist!


Werden wir bis zum finalen Crash eine Inflation oder Deflation bekommen?

Beides! Viele Güter werden deflationär, zum Beispiel Autos und Immobilien, denn der Markt ist zusammengebrochen oder bricht gerade zusammen. Auf Autos kriegst Rabatte wie noch nie, nur damit überhaupt noch ein Umsatz zustande kommt. Andererseits werden Nahrungsmittel, Mieten und so weiter, teurer, teilweise sehr viel teurer. Kann sein, dass wir eine Deflation und eine Hyperinflation spüren werden.


Wie geht es nach dem Crash weiter? Ist dann die Chance für einen Aufschwung da?

Das kann erst vorausgesagt werden, wenn wir wissen, wie hart und brutal der Crash sein wird. Aber ich denke, es wird einige Zeit überhaupt nichts möglich sein. Da wird sich auch nach der Landung erst viel konsolidieren müssen.


Wer sind eigentlich die Schuldigen?
Die grösste Schuld hat sicher das grenzenlose Vertrauen in den freien Markt, der sich selbst regelt. Das hat er nicht! Oder anders gesehen, der Markt regelt sich durch den Crash. Es war enorme Sorglosigkeit und Verantwortungslosigkeit im Spiel, begonnen bei Greenspans Geldpolitik, den Finanzmärkten, die ein Schneeballsystem aufgebaut haben und bei allen die nur auf Pump gelebt haben. Irgendwann musste das Kartenhaus zusammenbrechen ...

Was empfiehlst du jedem einzelnen?

Raus aus allen Papierwerten! Egal ob Sparbücher, Versicherungen, Aktien, Anleihen oder Fonds. Kurzfristig kann noch etwas möglich sein, aber mittelfristig ist alles weg! Geld in physische Edelmetalle anlegen, zum Beispiel Gold und Silber oder Immobilien, wie zum Beispiel Grundstücke - Finger weg von Zins- und Bürohäusern. Lebensmittelvorräte anlegen, schauen, dass man einige Wochen oder Monate autark überleben kann ... es wird brutal, sehr brutal!


Politiker, nicht nur österreichische, wissen mit Sicherheit, wie es steht und kommen wird. Warum wird das nicht einmal gesagt?

Dann würde eine gewaltige Panik ausbrechen und ein sofortiger Bankenrun und Run auf Supermärkte wäre die Folge.


Das heisst, man lässt die Bevölkerung an die Mauer fahren!

Ja, bewusst!

...

Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:


Bank Austria will 3 Milliarden Staatshilfe (diepresse.com)
UniCredit drohen riesige Ausfälle (derstandard.at)
Staatshilfe im Wochenrhythmus (derstandard.at)
BMW-Zahlen schockieren Anleger (handelsblatt.com)
Bei der AUA wird das Geld knapp (derstandard.at)
Deutschland: Steuereinnahmen brechen laut BMF im Februar ein (faz.net)

Das Debakel kommt erst (weltwoche.ch) - Artikel vom 5.11.2008, aber immer noch sehr aufschlussreich und interessant



Die US-Armee bereitet sich auf »Schocks« in der Heimat vor. Die »US Army« bereitet sich in aller Stille auf »unkonventionelle strategische Schocks« vor – so lautet es zumindest in der offiziellen Sprache des Pentagons. In einem Weißbuch des Instituts für Strategische Studien der US-Armee wird gewarnt, die Streitkräfte müssten sich auf »gewalttätige strategische Unruhen in den Vereinigten Staaten« vorbereiten, die durch einen »unvorhergesehenen wirtschaftlichen Einbruch« und »entschlossenen Widerstand im Inland« entstehen könnten. Zusammen mit den Einsätzen der US-Streitkräfte bei inländischen Konflikten und der Tatsache, dass die US-Armee in jüngster Zeit Schutzanzüge angeschafft hat, legt dies die Vermutung nahe, dass sich jetzt die amerikanischen Behörden angesichts der sich verschlimmernden Wirtschaftskrise auf polizeistaatliche Abriegelungsmaßnahmen oder noch härtere Maßnahmen vorbereiten. (kopp-verlag.de)

Willkommen in der Realität – das Zeitalter der Unruhen hat gerade erst begonnen. Schaut man sich das 20. Jahrhundert und die vielen Kriege und Bürgerkriege dieser Epoche an, dann gab es immer drei Vorboten der Gemetzel: ethnische Spannungen, wirtschaftliche Probleme und staatlichen Machtverfall. Trafen sie zeitgleich zusammen, dann waren schreckliche Kriege offenkundig unvermeidbar. Mit wissenschaftlicher Präzision führte der Weg dann direkt in die Katastrophe. Noch nie aber hat es auf der Welt parallel so viele neue Brandherde gegeben wie heute, bei denen alle Vorbedingungen für Kriege und Bürgerkriege zeitgleich aufeinanderprallten. Der Crash, der sich nun in diesem 21. Jahrhundert wie ein Leichentuch über die Erde legt, könnte das 20. Jahrhundert noch in den Schatten stellen. (kopp-verlag.de)

USA macht dicht - Nur Lippenbekenntnis zu freiem Welthandel. De facto droht die neue Regierung der USA die heimischen Märkte abzuschotten. (mmnews.de)

Irland-Pleite: Deutschland steht bereit - Finanzminister Steinbrück sichert Irland für den Fall der Zahlungsschwierigkeit Hilfe zu. "Deutschland steht bereit". (mmnews.de)

Crash mit dem Cash: 2008 wurden weltweit 39 Billionen Euro an Geldwert vernichtet. Im Jahr 2008 wurden durch die Finanzkrise 39 Billionen Euro (50 Billionen Dollar) an Geldwert vernichtet. Und auch 2009 ist kein Ende dieser Geldwertvernichtung in Sicht – bis Ende Februar kamen schon wieder mehr als fünf Billionen Euro (6,6 Billionen Dollar) hinzu. Claudio Loser, ein langjähriger ranghoher Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds, hat die schockierenden Zahlen nun intern mitgeteilt. (kopp-verlag.de)

Der Nächste, bitte - Nach den Banken werden nun auch die Versicherer Opfer des Börsenkrachs. Fallende Aktienkurse und Zinsen setzen Konzerne unter Druck. (sueddeutsche.de)

Pole Position - Die europäische Krise ... schlimmer als in den Vereinigten Staaten", schreibt Henry Blodget ... Sie müssen es uns listigen Amerikanern schon zugestehen ... wir sind es, die den den Kampf in der überfüllten Bar angezettelt haben und jetzt sind wir es, die sich uns durch die Hintertür hinausschleichen. (goldseiten.de)

Börsen weltweit im Aufwind - Drei frohe Botschaften aus dem US-Bankensektor in einer Woche - an den internationalen Börsen hat das neue Zuversicht geschürt. Fast überall auf der Welt haben die Aktienkurse diese Woche deutlich zugelegt. Der japanische Nikkei macht da keine Ausnahme: Von seinen Tiefständen hat er sich gelöst, zum Wochenschluss ging es um mehr als fünf Prozent nach oben. (handelsblatt.com)




1 Kommentar:

G.S. hat gesagt…

ja ... scheint mir nicht übertrieben ... leider !!!!

ALLES GUTE!