Montag, 9. März 2009

Opel-Rettung unmöglich?

In Deutschland gehen die Wogen hoch und der Volkszorn steigt. Opel, bekanntlich eine Tochter des US-Automobilkonzerns General Motors, hat bisher keine Steuern in Deutschland bezahlt, sehr wohl aber Verluste geltend gemacht. Überschüsse bzw. Gewinne wurden der Konzernmutter überwiesen. Jetzt sollen sie mit Steuerzahler-Milliarden gerettet werden!

Doch die Sache hat noch einen Hacken: alle Patente, die Opel entwickelt hat, wurden in eine weitere GM-Tochter (GM GTO) eingebracht, die auch die Rechte inne hat. Opel bezahlt Lizenzgebühren für jede ihrer im eigenen Forschungs- und Entwicklungszentrum erbrachten Patente! Das heisst, für jedes Fahrzeug, das Opel produziert, muss die deutsche Tochter Lizenzgebühren an den amerikanischen Mutterkonzern entrichten.

Da stellt sich die Frage, ist eine Rettung durch Verstaatlichung oder Milliardenzahlung überhaupt sinnvoll? Kann Opel abgenabelt vom Mutterkonzern überhaupt überleben?

Früher erhielt Opel für jedes ausserhalb von Deutschland im GM-Verbund verkauftes Fahrzeug eine Lizenzgebühr von 5 Prozent. Nachdem die Modelle Corsa, Astra und Vectra in asiatischen und südamerikanischen Ländern ziemlich erfolgreich waren, kamen demnach auch erhebliche Beträge auf das deutsche Opel-Konto. Heute ist Opel selbst, ohne Hilfe der Konzernmutter, nicht mehr in der Lage, sein Entwicklungsbudget selbst aufzustellen und zu verdienen (Opel Europachef Carl-Peter Forster). Den im Gegenzug erhaltenen Schuldschein über 1,8 Milliarden Euro hat GM bisher nicht eingelöst und es ist mehr als unsicher, ob dieser Betrag jemals fliesse.

Weiters besteht Klärungsbedarf, wem die Fertigunsanlagen in Deutschland gehören. Die Amerikaner behaupten, diese gehören ihnen. Ob das allerdings stimmt oder ob die Anlagen schon durch Leasinggeschäfte oder Ähnliches aus der Hand gegeben wurden, ist Gegenstand von Diskussionen. „Das lässt sich im Moment ganz schwer feststellen. Ich weiß wirklich nicht, wem die Anlagen gehören“, sagt ein mit der Bilanzierung befasster Finanzmanager des Konzerns.

Auch die Konzernverschachtelung muss erst entwirrt werden um klarzustellen, wem was in welcher Form gehört, wer zuständig ist und wer wo das sagen hat. „Eine komplette Herauslösung bei GM, da sind wir uns alle einig, ist eigentlich unmöglich“, sagt ein Verhandlungsteilnehmer. „Sehen wir der Wahrheit doch in die Augen: Opel ist kein Produktionsunternehmen mehr, sondern eine Vertriebsgesellschaft mit der Marke Opel.“

Opel wird wohl kaum zu retten sein! Oder lassen sich Politiker nur wegen der drohenden Arbeitsplatzverluste auf ein ruinöses Hazardspiel ein, das möglicherweise ein aufwändiges und kostspieliges juristisches Nachspiel haben wird. Denn die amerikanische Konzernmutter braucht dringend Geld, deswegen wird sie alles versuchen, Opel möglichst teuer loszuwerden. Denn Saab haben sie schon verloren!





Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



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