Mittwoch, 25. März 2009

Kommt ein Engpass bei Konsumgüter?

Politiker beschönigen, Manager beschwichtigen und die Medien bringen andere Aspekte der Finanzkrise. Immer öfter werde ich gefragt, kommt es zu einem Engpass bei Konsumgüter, oder schlimmer, zu einem Engpass bei Waren für den alltäglichen Bedarf (Lebensmittel, Kosmetika & Hygieneartikel).

Der derzeitige Stand am Weltproduktionsmarkt und -handelsmarkt lässt den berechtigten Schluss zu, dass es zu Emgpässen, eventuell einer Knappheit kommen wird. Und zwar relativ bald. Überall werden Produktionsanlagen heruntergefahren, sowohl die Exportraten wie auch Importraten sind im freien Fall. Das Beispiel Japan weist im Februar gegenüber dem Vorjahresvergleichsmonat einen Rückgang bei Exporten um 49,4% und bei den Importen um 43,0% auf. Das heisst, der Handel von und nach Japan hat sich halbiert!

Das hat natürlich mehrere Gründe, der Hauptgrund allerdings ist der, weil die Konsumenten zu sparen beginnen. Das zeigt sich überall! Die Angst vor dem grossen schwarzen Loch des Zusammenbruchs ist da. Massenentlassungen drohen (haben teilweise schon begonnen), die Renten sind nicht mehr sicher, Nullohnrunden stehen vor der Tür, das Gespenst der Inflation huscht umher, das Leben auf Pump hat sich verabschiedet ... die Aussichten, auch wenn es viele Menschen nicht wissen wollen, sind rabenschwarz bis katastrophal.

Noch merkt man nichts von einer Güterknappheit, noch sind die Lager voll. Wenn allerdings seit Jänner die Produktionskapazitäten runtergefahren werden, erreicht uns, den Konsumpöbel, der Engpass der ersten Waren erst dann, wenn auch die Lager leer sind. Und das kann durchaus noch einige Zeit dauern.

Wobei sich natürlich grundsätzlich die Frage stellt, muss man Lebensmittel aus allen Teilen der Welt herankarren um das ganze Jahr über Saisonobst und -gemüse anbieten zu können. Ein Land sollte in jedem Fall in der Lage sein, sein Volk mit Lebensmittel zu versorgen. Denn sonst hat die Politik versagt. Der Trend ist ohnehin schon erkennbar, dass es zurück zu regionalen Lebensmittel geht. Wenn ein Land seine Bürger ausreichend versorgen kann, wird es in den Lebensmittelregalen keine Knappheit geben. Viele Importwaren werden allerdings aus den Regalen verschwinden.

Bei Bekleidung und Schuhen kann es sehr wohl zu einem Engpass kommen, denn die billige Asienproduktion hat bei vielen heimischen Erzeugern den Garaus gemacht. Bei uns existiert diese Industrie nur mehr in Fragmenten.

Bei anderen Waren wie Computer, Unterhaltunselektronik, etc. werden im Moment noch die Lager leerverkauft, danach kann es zu eklatanten Preissteigerungen kommen, denn die Kapazitäten werden mit Sicherheit nicht mehr ausgelastet. Der Preis steigt. Und damit fallen die Verkaufzahlen.

Je weniger weltweit gekauft, also konsumiert, wird, desto mehr Produktionsanlagen sind nicht mehr ausgelastet, Fabriken werden geschlossen, Arbeiter entlassen ... ein Teufelskreis, aus dem es nur sehr schwer zu entkommen ist. Vor allem macht die Finanzkrise mit ihren vielfältigen Aspekten die Sache nicht leichter.

In meinem Freundeskreis gibt es einige, die langfristig geplante Investitionen nach Möglichkeit vorziehen, um jetzt noch einzukaufen, so lange es noch geht! Und dass es zu einem gravierenden Engpass kommen wird, davon sind die meisten überzeugt!

Wenn es allerdings zu einem Kollaps des Finanz- und Wirtschaftssystems kommt - ein Systemcrash - dann sind in kürzester Zeit die Supermärkte leergeräumt und alles andere interessiert niemanden mehr, denn entweder es ist kein Geld mehr zum Ausgeben vorhanden oder es ist weitgehend wertlos. Dann haben wir keinen Engpass oder Verkanppung, dann haben wir enrsthafte Versorgungsschwierigkeiten! Und ich fürchte, dieses Szenario ist das wahrscheinlichere - egal ob das System im April oder im Sommer crasht ...


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



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