Dienstag, 17. März 2009

Entspannt sich die Lage?

Vergangene Woche konnten - wie schon erwähnt - die Börsen etwas zulegen. Auch einige andere Konjunkturdaten verbesserten sich. So gibt es derzeit in den USA wieder verstärkte Baukonjunktur, angeblich sind die Ausblicke des deutschen Mittelstandes doch nicht so düster und der Goldpreis hat sich wieder knapp über 900 U$ eingependelt ... der Baltic Dry Index hat sich verdreifacht (nachdem er vorher um 90% gefallen ist!) ...

Doch im Grunde hat sich nichts verändert! Die Unruhen werden stärker. Griechenland scheint in den nächsten Wochen ins Chaos zu fallen, schwere Ausschreitungen werden aus Frankreich gemeldet, Pakistan rebelliert gegen die Regierung, ... die USA erlebt derzeit eine noch nie dagewesene Kapitalflucht und China überlegt einen Ausstieg aus den Dollar-Staatsanleihen ... die nächste Ungemach werden die Cross-Border-Leasing-Geschäfte sein, bei denen Gemeinden versucht haben, ans grosse Geld zu kommen und das Kleingedruckte nicht gelesen haben ... die amerikanischen Kreditkartenunternehmen befürchten Milliardenausfälle ...

Warum in aller Welt glauben viele Politiker, Ökonomen und Medien, dass es jetzt wieder bergauf geht? Bisher haben wir das Vorspiel serviert bekommen. Was in den nächsten Monaten kommen wird, kann man als Auftakt zum finalen Hauptakt bezeichnen, der Auftakt zum weltweiten Zusammenbruch des Finanz- und Wirtschaftssystems. Allerdings weiss niemand wie brutal der Crash ausfallen wird, denn noch ist viel im Dunklen. Sehr viel Sprengstoff befindet sich noch in den Tresoren der Banken und Versicherungen. Die Rentenfonds und Versicherungen werden die nächsten sein, die es erwischen wird. Und damit wird auch das Finale eingeläutet. Unsere Pensionen und Pensionsvorsorgen sind bereits jetzt dahin! Nur ist es noch nicht offiziell. Und das Minenfeld Osteuropa ist ebenfalls im Hochgehen.

Aber es stimmt, in der vergangen Woche haben sich die Horrornachrichten in Grenzen gehalten. So, als wäre es die Ruhe vor dem Sturm.

Natürlich stellt sich die Frage, sind wir überhaupt noch in der Lage, die Probleme zu lösen, oder schieben wir diese mittels Milliarden- und Billionensummen nur auf? Meine Meinung hat sich nicht geändert. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass jede erfolgreiche Rettung, also bevor das System komplett heruntergefahren ist, insofern keinen Sinn hätte, da wir wieder zu den alten Strukturen zurückkehren würden. Und das wäre keineswegs der Sinn dieser Krise bzw. des bevorstehenden Crashs. Ist das System allerdings einmal zusammengebrochen, dann kann man, wie Phönix aus der Asche ein neues Finanz- und Wirtschaftssystem kreieren, keinen Tag früher!

Dass wir dringend ein neues System benötigen, zeigt alleine die Tatsache, dass über 95% des weltweiten Vermögens nur 5% der Menschen besitzen! Das ist nicht nur unerecht verteilt, sondern, betrachtet man die Situation in Afrika oder Südamerika, auch hochgradig pervers. Einige Menschen haben die gesamte Welt in ihre materielle Geiselhaft genommen. Ohne sie geht nichts!

Ich möchte nicht behaupten, dass dadurch die Krise ausgelöst wurde. Beigetragen hat dieser Umstand aber doch, da die Gier nach Reichtum eine Verschuldung provozierte, die einfach nicht mehr finanzierbar war. Solange die Verschuldung - bei Unternehmen, Privaten, wie auch Staaten - nicht auf einen erträglichen Wert reduziert wurde, solange werden wir uns auf Talfahrt befinden! Und glaube nicht, dass es einen anderen Weg zur Entschuldung gibt, als weltweite Währungsreformen mit enormen sozialem Sprengstoff! Denn Ruhigstellen konnte man die Menschen mit Wohlstand. Dieser ist aber bald nicht mehr existent. Spätestens dann kocht die Volkswut und der Zorn entlädt sich. Es ist tatsächlich nur eine Frage der Zeit ... auch wenn sich vielleicht diese oder nächste Woche die Börsenkurse erholen, die Probleme bleiben die selben, nur sie verschärfen sich in atemberaubendem Tempo!

Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)





Meldungen:

American Express funkt SOS (handelsblatt.com)
Peking sorgt sich um US-Staatsanleihen (ftd.de)
Osten belastet Bank Austria (derstandard.at)
Cross-Border-Leasing: Kaum jemand las das Kleingedruckte (faz.net)
Börsenaufsicht warnt indirekt vor HRE-Insolvenz (de.reuters.com)
Bayrische Beamtenversicherung in Not (ftd.de)
Inflation wegen Konjunkturmaßnahmen vor Explosion (finanznachrichten.de)
Sogar Homer Simpson verliert sein Haus (alles-schallundrauch.blogspot.com)

Konjunktur-Erwartungen hellen überraschend auf (derstandard.at)


Marc Faber: "Rettungs­pakete werden nicht helfen" - Der freie Markt ist nicht schuld an der Krise und wir werden es auch dieses Mal nicht lernen, die fundamentalen Probleme zu lösen. Gedanken eines Börsengurus. (derstandard.at)

Ausländer stoßen US-Wertpapiere ab. Anleger haben sich im Januar in großem Umfang von amerikanischen Vermögenswerten getrennt. Ausländische Investoren verkauften netto kurz- und langfristige US-Anleihen und -Aktien im Rekordvolumen von 148,9 Mrd. $. (ftd.de)

USA: Rekord Kapitalflucht. Nettokapitalabfluss im Januar fast Minus 150 Milliarden Dollar. Ausländer ziehen ihr Kapital aus den USA ab wie nie zuvor. US-Finanzministerium: Einbruch bei Nachfrage nach langlaufenden US-Anleihen im Januar. (mmnews.de)

Das Kartenhaus - Der »Balkan-Tiger« Rumänien steht vor dem Staatsbankrott. Boom der vergangenen Jahre basierte fast ausschließlich auf kreditfinanziertem Konsum. (jungewelt.de)

Teure Unterlassung - Mit drei Worten ist für Günther Wotsch alles gesagt: „Krise, Rezession - Katastrophe.“ Mehr braucht er nicht, um die Lage in seiner Heimat Siebenbürgen in Rumänien zu beschreiben. Der Vorsitzende des dortigen Wirtschaftsclubs ist entsetzt über das, was sich in seiner Gegend gerade abspielt. (faz.net)

Obama sagt Millionen-Boni den Kampf an. Millionenprämien für Manager mit katastrophalen Leistungen - damit will sich US-Präsident Obama nicht mehr abfinden. Er kündigt an, mit allen juristischen Mitteln gegen üppige Boni beim kriselnden Versicherungsriesen AIG vorzugehen. (spiegel.de)

Medwedew will 2011 massiv umrüsten. Auch Atomwaffenarsenal soll modernisiert werden. Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat eine massive Umrüstung der Streitkräfte des Landes angekündigt. Dies bedeute vor allem auch die Modernisierung des Atomwaffenarsenals, sagte Medwedew am Dienstag laut russischen Nachrichtenagenturen bei einem Treffen mit führenden Militär-Vertretern in Moskau. Die NATO versuche weiterhin, ihre Präsenz nahe der russischen Grenzen auszubauen, kritisierte der Präsident. Deshalb habe er eine umfassende Neuausrüstung der Armee und Flotte "im großen Umfang" ab dem Jahr 2011 angeordnet. (derstandard.at)

Droht der Schweiz der Staatsbankrott? Investoren haben sich im Zuge der seit zwei Jahren tobenden Finanzkrise in Staatsobligationen geflüchtet. Nun nehmen aber die Ängste vor einem Staatsbankrott zu. (bernerzeitung.ch)

Neue Weltwährung kommt - Durch die Hintertür will der IWF eine neue Weltwährung schaffen. Das Kunstgebilde heisst "Sonderziehungsrechte". Was sich allerdings hinter dem Wortungetüm verbirgt, ist mehr als explosiv. (mmnews.de)



Sachen zum Lachen (... wenn sie nicht so ernst wären!):


Friedrich Gamerith´s wöchentliche "Krisenbewältigung": Es ibt keine Rezession!" (gamerith.net)






Kommentare:

bombi hat gesagt…

Hallo Johannes,

guter Blog!!
Woher kommst Du? Österreicher nehm ich mal an...

Lg
Roland

JoHy hat gesagt…

... aus dem schönen Graz! Ja, das liegt in Österreich!

Johannes