Dienstag, 31. März 2009

Der Nimbus des Messias verschwindet

Barack Obama, derzeit mit grossem Gefolge auf Tour durch Europa zum G-20 Treffen, dem NATO Gipfel und zur EU-Ratspräsidentschaft, war von den Medien der ganzen Welt als der Retter und Messias präsentiert worden. Dieser Nimbus verschwindet, die Probleme werden täglich grösser und eine mögliche Rettung des Finanz- und Wirtschaftssystems immer unwahrscheinlicher.

Es war ein Slogan, der um die Welt ging und alle mitriss: "Yes, wie can!" ... doch offensichtlich können wir nicht! In einem Sumpf von Selbstüberschätzung, vorschnell installierter medialer Kultfigur und Inkompetenz seines Teams ist nach nur zwei Monaten eines sicher: der Obama-Trumpf hat nicht gezogen. Es ist offensichtlich, dass die Lage in den USA sich nicht gebessert, sondern im Gegenteil, zugespitzt hat.

Die Banken konnten nur durch einen Trick relativ gute Zahlen präsentieren, der allerdings einmalig war. GM und Chrysler sind nach wie vor klinisch tot, jetzt scheint es sich schon bis ins Weisse Haus herumgesprochen zu haben, dass zumindest diese zwei Autohersteller in dieser Form nicht lebensfähig sind. Um die erforderliche, radikale Umstrukturierung vornehmen zu können, müssen Altlasten entfernt, Fabriken geschlossen, Personal abgebaut und Autos neu entwickelt werden. Ein Unterfangen, das nicht nur sehr viel Geld kostet, sondern auch einige Jahre in Anspruch nehmen wird. Derzeit sieht es aus, als würde Ford, der allerdings auch gewaltige Schwierigkeiten hat, als einziger übrigbleiben. Der CEO von GM musste jedenfalls wegen Erfolglosigkeit bereits das Feld räumen. Die Kreditkartenunternehmen in den USA melden ebenfalls Horrorzahlen, American Express ist in eine Bank umgewandelt worden, um das staatliche Rettungspaket in Anspruch nehmen zu können. Jetzt bieten sie einen Gutschein über 300 U$ an, wenn man sein Kreditkartenkonto schliesst! Fast alle Bundesstaaten sind pleite, allen voran Kalifornien. Washington muss Geld zuschiessen, damit die Infrastruktur funktioniert und es (noch) zu keinen Aufständen kommt. Vor den Metropolen schiessen Zeltstädte aus dem Boden. Viele Amerikaner haben Job, Haus und Vermögen verloren. Dadurch bilden sich Slums, wie wir sie aus Südamerika kennen. Doch die Zeltstädter waren vor kurzem noch in das System integriert - jetzt sind sie auf sich allein gestellt! Durch den exorbitanten Konsumrückgang kommt es natürlich auch zu einem Rückgang der Steuern. In die staatlichen Kassen fliesst immer weniger Geld ...

Die Probleme möchte man mit Billionen Dollarsummen lösen. Das Geld ist natürlich nicht vorhanden, sondern muss erst gedruckt (erschaffen) werden. Die im Umlauf befindliche Geldmenge wird dadurch entscheidend erhöht, ohne dass es eine Besicherung oder Gegenwert gäbe. Es ist tatsächlich Geld ohne Wert. Das Resultat wird eine Hyperinflation sein, denn diese Geldmenge kann in kurzer Zeit - sofern man das nur als Überbrückung gesehen hätte - nicht wieder vom Markt genommen werden. Sprich, der US-Dollar wird rapide an Wert verlieren. Dadurch werden alle importierten Waren teurer - so teuer, dass sie für viele Amerikaner nicht mehr leistbar werden. Dazu zählen auch Levis Jeans, Nike Sneakers, HP Computer, usw. Weil all dies nicht mehr in den USA produziert wird, sondern in Asien und deswegen importiert werden muss.

Die Arbeitslosigkeit explodiert, eine Pleitewelle fegt über das Land, ganze Vorstädte sind leer und zeitgleich explodiert auch die Kriminalität. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Volk aufsteht. Erste Demonstrationen sind schon abgehalten worden, es werden wohl noch viele mehr werden ...

Ein Branche erlebt allerdings einen gewaltigen Boom: die Waffenbranche. Amerika rüstet auf! So gesehen dürften viele erwarten, dass die staatliche Ordnung weitgehend zerfallen wird ... so wie die gesamten Vereinigten Staaten auch!

Die begonnenen Kriege in Afghanistan und Irak kostetn mittlerweilen rund 700 Milliarden Dollar. Wie lange können diese Kriege überhaupt noch finanziert werden?

Dass es Barack Obama nicht leicht haben wird, hat wohl keiner bezweifelt. Dass er allerdings so wenig bewirken kann, haben viele nicht geglaubt. Dass er scheitern wird (wie übrigens jeder andere auch gescheitert wäre!), haben nur wenige gedacht. Dass es so schnell bergab geht, hat wohl jeden überrascht. Dass die USA in der jetzigen Form nicht mehr lange existiert, sondern in kleinere Regionen zerfällt, ist plötzlich kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Der Gigant wankt ... und wenn er fällt, reisst er die halbe Welt mit!


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:


700 Milliarden Dollar für Kriege (kurier.at)
Sicherheitsaufgebot zum NATO-Gipfel (kurier.at)
US-Immobilienpreise brechen drastisch ein (kurier.at)
GM und Chrysler droht Blitz-Insolvenz (spiegel.de)
GM: Die Chronik eines Niedergangs (handelsblatt.com)
Erholung rückt in weite Ferne (kurier.at)
Russland hart von Wirtschaftskrise getroffen (nzz.ch)
Gewinnsteuern brechen ein (derstandard.at)
Rettet den ORF (nachrichten.at)
S&P senkt die Kreditwürdigkeit Irlands (derstandard.at)
Immofinanz nach drei Quartalen mit Milliardenverlust (derstandard.at)
Etikettenschwindel in den Bankbilanzen (zeitenwende.ch)
Der neue US-Haushalt: kein Geld für das Volk, aber Billionen für die Banken und für den Krieg (zeit-fragen.ch)
Obama warnt vor Lebensmittelknappheit (alles-schallundrauch.blogspot.com)

Was Krisenökonom Keynes wirklich gesagt hat (handelsblatt.com)



Rogers spricht Klartext - Lob für China, Tadel für USA. In einem Fernsehinterview mit dem US-Sender Fox verurteilt Jim Rogers einmal mehr die in seinen Augen katastrophale Wirtschaftspolitik in Washington: China würde als erstes wieder aus der Krise kommen. (mmnews.de)

Krise wird Desaster - Investmentlegende Jim Rogers: "Das Schlimmste kommt noch. - Wir gehen immer mehr auf ein Desaster zu". Wahres Ausmaß der weltweiten Krise größer. Opel-Bankrott gut für Europa. (mmnews.de)

Ist »American Express« das erste Kreditkartenunternehmen, das einer Pleite entgegen geht? AmEx ist in Schwierigkeiten, weil immer mehr Amerikaner ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können. Die Ausfälle nehmen rasant zu und die Aktie fällt ins Bodenlose. Die Lage für das Unternehmen ist so verzweifelt, dass es jetzt sogar 300 Dollar für jeden bietet, der sein Kartenkonto auflöst! (kopp-verlag.de)

Obamas Härtetest in der neuen alten Welt. Der Präsident tritt samt gigantischem Tross seine Europa-Reise an, die ihn direkt zum G-20-Gipfel führt. Die Erwartungen sind enorm. (kurier.at)

Obama, Europa und der Weg in die Hölle. Der Europa-Besuch Barack Obamas steht im Zeichen der Ernüchterung. Die Beziehungen haben sich spürbar abgekühlt. Über die Krisenbewältigung bestehen krasse Auffassungs-Unterschiede. (diepresse.com)

Die G20 treffen sich unter der Pyramide - Am Donnerstag treffen sich die Staatsführer zum G20 Gipfel im ExCeL Exhibition Center im ehemaligen Hafenviertel von London, den Docklands. Dieses Messegebäude wurde von Sir Robert McAlpine erbaut und im Jahre 2000 eröffnet. Der Name ExCeL steht für Exhibition Center London. (alles-schallundrauch.blogspot.com)

OECD revidiert Prognosen dramatisch nach unten - Die Pariser Organisation ist für 2009 wenig optimistisch, der Welthandel bricht um 13,2 Prozent ein, die Arbeitslosigkeit steigt rasant. (derstandard.at)






Sachen zum Schmunzeln (... wenn sie nicht so ernst wären!):






Gibt es Positives an der Krise?
Antworten von Kabarettisten als Ansichtssache in derstandard.at

Oliver Baier: Worüber man lachen kann? Dass die Verursacher von gestern schon heute wieder die Renditen von morgen versprechen.



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