Freitag, 20. Februar 2009

Ist die Autoindustrie überhaupt zu retten?

Die Autoindustrie ist nicht nur in den USA ein Sorgenkind - damit auch die gesamte Peripherie, die Autozulieferer, Autohandel, Werkstätten, etc. Einige der Autowerke sind bereits oder stehen kurz vor dem Konkurs (die GM-Tochter Saab hat bereits angemeldet!). Etliche Autobauer schliessen Werke, entlassen Arbeiter und verlassen die bisher sehr teuren, aber teilweise prestigeträchtigen Motorsportformeln. Der Ruf nach staatlicher Hilfe wird laut. Dabei stellt sich die Frage, ob und was man retten sollte.

Wenn man die amerikanische Autoindustrie betrachtet, also die "Big Three" General Motors, Ford und Chrysler, dann wird einem auch nicht Experten bald klar, dass sich diese Riesenkonzerne vielleicht gar nicht retten lassen können, auch wenn man - wie derzeit - viele Milliarden dafür bereit stellt.

Es gibt derzeit über 25 Millionen Neufahrzeuge weltweit auf Halde! Diese sollten einen Käufer finden. Doch es ist auch ein grosser Anteil an grossvolumigen Autos dabei, die derzeit überhaupt keinen Käufer finden. Und diese Art von Autos produzieren die "Big Three" derzeit auch weiter (für die Halde!).

Rettbar ist ein Autokonzern heute nur, wenn er Benzinkutschen produziert, die auch verkauft werden können. Denn wenn die Produkte nicht abgesetzt werden, wofür dann noch produzieren? Teilweise sind, vor allem bei amerikanischen Modellen, die Preise bis zu 50% eingefallen!

Die US-Autokonzerne müssten Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen, alle nicht profitabel zu führenden Werke und Marken zusperren (verkaufen kann man derzeit nicht!), die Administration abspecken, neue, kleinere und vor allem verbrauchsärmere Modelle entwickeln und was das wichtiste wäre, ein kompetentes Managerteam neu aufbauen, das nicht wie bisher Millionen verdient. Im Grunde sollte eine komplett neues, schlankeres und der Zeit angepasstes Unternehmen entstehen, das sich neuen Trends binnen kürzester Zeit anpassen kann.

Doch das ist wahrscheinlich kaum umsetzbar. Denn es stehen - inklusive der Peripherie - Millionen von Arbeitsplätzen am Spiel, die Firmenpensionen wären für Millionen Rentner und zukünftigen Rentnern weg und eine neue, dem Markt angepasste Modellpalette zu Entwickeln kostet nicht nur Milliarden, sondern auch Zeit (die nicht vorhanden ist!)

Demnach wird man versuchen staatliche Hilfe zu bekommen, einige Werke, wie Saab und Opel, abzustossen und den Konzern möglicher Weise ohne Chapter 11 umzustrukturieren und zu verändern. Was naturgemäss noch länger dauert und wesentlich teurer ist. Erfolgsgarantier gibt es jedoch bei beiden Varianten nicht!

Ausserdem wird man sehen, welche der 3 die Regierung überleben lässt und welche nicht, denn alle 3 zu retten, ist langfristig sicher unmöglich. Chrysler ist mit Sicherheit, weil sie die Kleinsten der "Big Three" sind, ein Abschusskanditat!

Teile aus den Konzernen könnten, wie es bei Saab und Opel zur Diskussion steht, von jenen Staaten übernommen werden, wo das Hauptwerk steht. Wirtschaftlichkeit ist allerdings Voraussetzung. Bei Opel wäre diese weitgehend gegeben, bei Saab sicherlich nicht!

Japan - die japanische Autoindustrie, die, obwohl in den letzten Jahren (neben den Deutschen), die innovativsten Autos entwickelten, haben enorm zu kämpfen. Ebenso die Deutschen, die vor allem mit Mercedes, BMW und Porsche im Luxus- und Sportwagensegment vertreten waren. Dieser Markt ist fast komplett zum Erliegen gekommen.

Es ist richtig, wenn du sagst, es werden auch weiterhin Autos gebraucht und damit auch gekauft werden. Nur der Absatz hat sich derzeit halbiert und ein Aufwärtstrend ist nicht erkennbar.

Ich halte es für wirtschaftlichen Wahnsinn, wenn Politiker glauben, alle Automarken mit Milliarden aus Volksvermögen erhalten zu können. Es wird eine Marktbereinigung geben, ja, es muss eine Marktbereinigung geben! Katastrophal vor allem für die USA, wo die Autoindustrie noch eine der wenigen Branchen ist, die weitgehend im Lande geblieben ist und damit auch für Wertschöpfung sorgt!

Einige uns bekannte und vertraute Marken wird es bald nicht mehr geben und nur einige wenige werden diese Krise überleben! Derzeit ist allerdings noch nicht erkennbar, welche!


Übrigens, so nahe wie heute, war Gold noch nie bei 1.000 U$, wann durchbricht es die "magische Grenze"?


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)






Meldungen:

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AUA fliegt Grundkapital weg (handelsblatt.com)
Deutschland droht Inflation bis zu 10% (welt.de)
Hypo Real Estate - da kömmt noch viel mehr (weissgarnix.de)
The Looming Collapse of European Banking (globalresearch.ca)
Greenspan: Es ist notwendig die Banken zu verstaatlichen (alles-schallundrauch.blogspot.com)


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Oberster europäischer Banker: "Alles muss sich ändern" - Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat der Direktor der Europäischen Zentralbank einen Totalumbau des Weltfinanzsystems gefordert. Das sei die einzige Antwort aus der aktuellen Krise. (bernerzeitung.ch)

"Konnte mit der Art Geschäft nicht mehr" - Aus dem Leben eines Ex-AWD-Beraters, der im Vorjahr das Handtuch geworfen hat: Die Kunden müssen fast verlieren (standard.at)

Warum Osteuropa taumelt. Schulden, Kapitalflucht, Währungsverluste: Die Krise hat die Länder Zentral- und Osteuropas voll erwischt. FTD.de zeigt, was Investoren aufschreckt - und was den Staaten noch blühen könnte. (ftd.de)

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