Mittwoch, 11. Februar 2009

Diese Hütte ist das Symbol

Ob es tatsächlich detaillgetreu so abgelaufen ist oder ob dieser Artikel nur als Metapher dient, sei dahingestellt. Ich habe mich auf jeden Fall köstlich amüsiert und auch ein schelmisches Lächeln war meinem Gesicht zu entnehmen (mmnews.de: Diese Hütte ist das Symbol). Es steckt viel Symbolhaftigkeit in diesen Zeilen und birgt auch einen höchst explosiven Inhalt. Wieviel dieser Kredite, die als Anlageformen in diversen Fonds und Pools liegen, sind derzeit verifizierbar? Demnach müssen noch Unsummen als baldige Verluste und Abschreibungen hoch kommen. Der Finanzmarkt wird immer mehr zu einem gewaltigen, weltweiten Betrugsfall. Egal was die Banken, Finanzberater und Trader verkauft haben, Hauptsache es waren hohe Provisionen und hohe Renditen inkludiert. Alles andere hat anscheinend kaum jemandem interessiert.

Dass sich Banken heute untereinander nicht trauen, wundert kaum. Doch selbst dann, wenn die Verluste so hoch sind, dass der Staat, in diesem Fall natürlich der Steuerzahler, einspringen muss und mit Milliarden die Banken vor dem Untergang zu retten, zahlen sich die Banker für ihr Versagen und ihre Unfähigkeit enorme Boni aus ... zusätzlich zu einem Lohnniveau, das sowieso schon zu den höchsten gehört! Wie sagte kürzlich ein Bankmanager der schweizer UBS: "Gute Leute sind teuer! Wenn wir ihnen die Boni nicht geben, suchen sie sich einen neuen Arbeitgeber." Sind die besten jene, die die höchsten Verluste produzieren? Ausserdem werden derzeit weder gute noch schlechte Banker gesucht, sondern höchstens entlassen. Wo sollte ein Banker in diesen Zeiten anheuern?

Wächst da nicht der Volkszorn? Nicht in Österreich, wirst du sagen, denn noch sind die Verluste nicht angekommen, noch funktioniert Osteuropa ... mehr schlecht als recht. Aber in Deutschland und der Schweiz, wo fast jede Verlustmeldung rekordverdächtig ist und der Staat, ähm, der Steuerzahler, einspringen muss und mit Milliarden, die nicht vorhanden sind, sondern die unsere nächsten Generationen erarbeiten müssen, die Betrüger und Gauner retten. Und einen nicht unerheblichen Teil nehmen sie für sich. Denn der Lebensstandard muss wohl schon erhalten bleiben.

Was haben sie dem Maurer Franz gesagt, als er gekündigt wurde, weil seine Firma in Konkurs gegangen ist und er die Kreditraten für sein Haus aussetzen wollte, bis er wieder Arbeit hatte. "Ja, jetzt müssen sie den Gürtel enger schnallen, wir können nichts für sie tun!" ... und dann stand er auf der Strasse, samt Frau und Kinder. Doch die Banker sollen ihren Standard, den sie ja gewohnt sind, behalten. Und der Maurer Franz, der jetzt in einer Fabrik arbeitet und eine billige Wohnung in der lauten Bahnhofstrasse hat, muss - ohne dass er gefragt wird - denen ihren hohen Lebensstandard helfen zu erhalten. Irgendwie pervers, oder?

Und all das nur, weil in Amerika ein Banker 103.000 US-Dollar Kredit für eine kleine, windschiefe Holzhütte genehmigt hat, die diesen Namen nicht verdient!

Finanzkrise: Diese Hütte ist das Symbol - 103000 Dollar Kredit für eine Holzhütte in Arizona. Die Hütte - das Symbol der Krise. Weltweiter, institutionalisierter Kreditbetrug - made in USA. (mmnews.de)


Johannes (


Meldungen:

Staatsbankrott: Wenn Länder pleite gehen (diepresse.com)
Die Krise hat erst begonnen (faz.net)
Erfolglose Banker wollen ihren Bonus einklagen (welt.de)
Russische Firmen brauchen Aufschub bei Krediten (welt.de)
Deripaska verhandelt über Kredit mit Montenegro (diepresse.com)
Royal Bank of Scotland mit historischem 47-Milliarden-Verlust (bernerzeitung.ch)
Geldrucker laufen heiss (toobiz.com)
Mega-Rettunsplan reisst Börsen ins Minus (spiegel.de)



Aktuelle Lageeinschätzung: Wir befinden uns in einer äußerst brisanten Phase der Krise. Was wir zurzeit erleben, ist mit einem wirtschaftlichen Tsunami vergleichbar. 2008 war die Phase, in der sich das Wasser vom Ufer zurückgezogen hat und 2009 wird der Tsunami an Land gehen. Das geht nicht ohne schwere Verwüstungen und Schäden ab. (cashkurs.com)

Österreicher lässt Wirtschaftskrise kalt. Ist die Alpenrepublik tatsächlich die viel zitierte "Insel der Seligen"? Ein Großteil der Bevölkerung scheint das offenbar zu glauben. (kurier.at)

Ans Eingemachte: Die Stabilisierung Osteuropas ist auch ein ziemlich politisches Thema. Die Tour von Finanzminister Pröll durch Osteuropa war überfällig. Allerdings wird er dort erklären müssen, was Österreich tut, um die Region zu stabilisieren. Erst dann werden die eher schwachbrüstigen Länder willens sein, selbst etwas zur Verbesserung ihrer Lage zu machen. Die Konjunktur stürzt ab, mit ihr auch heimische Firmen, die in den vergangenen Jahren satte Gewinne gemacht haben. Doch gerade die Wirtschaft hat dadurch eine enorme Verantwortung, die ihr noch nicht ganz bewusst ist. Die Privatwirtschaft wird an der Behebung des Schadens mitarbeiten müssen. (kurier.at)

Bankenhilfe Ost: Österreich kämpft um Hoffnungsmarkt. Österreich versucht verzweifelt, Mitstreiter für ein Osteuropa-Bankenhilfspaket zu gewinnen. Das starke Ost-Engagement ist zur Gefahr für österreichische Banken geworden. (diepresse.com)

...und noch ein Billiönchen - USA mit Mega-Rettungsplan. Geithner: «Entscheidende Teile unseres Finanzsystems sind beschädigt» - 1 Billion Dollar sollen helfen. (mmnews.de)

Finanzkrise: Das Ende der faschistischen Ära - Der Markt vernichtet die Welt von John M. Keynes, Irving Fisher und Milton Friedman. Streitschrift zu den Auswirkungen und Ursachen der Finanzkrise. (mmnews.de)

US-Rettungspaket - Feuer frei in Washington. Jetzt wird aus allen Rohren und mit allen ökonomischen Kräften des Staates gefeuert. Und es wird mit der zweifachen Großoffensive an den Fronten Finanzsystem und Arbeitsmarkt erst wieder aufgehört, wenn der Aufschwung endlich zweifelsfrei zurückerobert ist. (ftd.de)

Islands neue Eiszeit. Kaum ein Land wurde von der Finanzkrise stärker getroffen als Island. Seitdem herrscht Chaos: Die Regierung wurde aus dem Amt gejagt, ein früherer Marxist ist Finanzminister - und mancher will am liebsten alle Banker einsperren. Ein Streifzug über eine verstörte Insel. (ftd.de)

Riesige Pleitewelle rollt auf Europa zu. Der Wirtschaftskrise bringt die europäischen Unternehmen zunehmend in Existenznöte. 2008 ist die Zahl der Firmenpleiten bereits um elf Prozent hochgeschnellt. Und 2009 wird es nach Ansicht der Wirtschaftsauskunftei Creditreform einen weiteren kräftigen Anstieg geben. Auch deutsche Unternehmen werden leiden. (welt.de)



Keine Kommentare: