Donnerstag, 15. Januar 2009

"Wirst seh´n, es wird halb so schlimm!"

Es wird immer klarer, wohin unser Boot steuert. Steuern ist vielleicht der falsche Ausdruck, denn am Ruder sitzt keiner. Jeder schlägt mit den Paddeln ins Wasser und versucht dem Boot eine eigene Richtung aufzuzwingen. Doch der Wasserfall, dem wir uns nähern, ist immer lauter zu hören und einigen geht die Kraft aus. Der tiefe Fall kommt unweigerlich und immer schneller näher ...

... so wie sich die Nachrichten häufen. Viele von denen sind NICHT in den Mainstream-Medien zu lesen. Und von Politikern hören wir in Österreich ... NICHTS! Wenn nicht bald die Bevölkerung gewarnt wird, was hier auf globaler Ebene abläuft, gibt es zusätzlich zur wirtschaftlichen auch eine gewaltige menschliche Katastrophe! Wurde schon ein Krisenplan erstellt? Grosse Lebensmittellager angelegt? An Essensausgabestellen samt Personal gedacht? Öffentliche Grundstücke als "Gemüse- und Obstbeet" für das Volk ausgewiesen? Bürgerwehren gegen Plünderer rekrutiert? Nein, die Politik schläft! Auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene. Erst kürzlich sagte ein Bürgermeister einer kleinen obersteirischen Gemeinde zu mir: "Wirst seh´n, es wird halb so schlimm!" Na dann Gute Nacht!

Es sind allerdings auch die Ausreden für sich selbst und seine Familie vorzusorgen skurril: "Ich hab´ keinen Platz!", "Ich möchte nichts davon wissen!", "Geh sei net so deppat, nix wird passiern!", "Mein Mann will das nicht!", "I spoar eh!" ...

Viele können sich gar nicht vorstellen, dass das gesamte System kollabiert. Das kann es in ihrer Welt nicht geben, darum muss auch nicht vorgesorgt werden. Wobei ich beobachte, dass die Bereitschaft vorzusorgen - dh. Ersparnisse in Gold anlegen und ein Lebensmittellager aufbauen - bei den sogenannten Gebildeten und Intellektuellen wesentlich höher ist und teilweise auch tatsächlich gemacht wurde. Bei weniger Gebildeten erntet man sehr oft blanken Hohn und Zynismus. (Vielleicht deswegen auch die Krisenignoranz der Politiker!) ... wobei, die Existenz einer Krise geben sie ja schon zu. Jetzt müssen aber zuerst die Wahlzuckerln & -versprechungen halbwegs in Angriff genommen werden, da heisst es die Krise muss eben noch ein wenig warten.

Im Oktober hatten wir - wie jetzt auch schon durch diverse Medien bekannt wurde - eine ziemlich knappe Situation, der Euro war knapp am Kippen. Gezeigt hatte sich das damals an einem beginnenden Bankenrun in Norddeutschland, wo allerdings dann ein Marder das anscheinend einzige Starkstromkabel anknabberte (ja und die Bankdaten sind alle nur auf einem Server gespeichert , hahahaha ...). Plötzlich gab es nur mehr vereinzelt Geld und die Merkel sowie ihre europäischen Kollegen gaben plötzlich Garantien ab (wohlgemerkt hat unser Kanzler Gusenbauer noch einige Tage vorher bemerkt, wir brauchen das nicht ... war halt der Barolo ...). Ruhe kehrte ein, das Volk war befriedigt, das Weihnachts-Remidemi konnte doch noch stattfinden.

Vielleicht wird die nächste knappe Situation wieder irgendwie entschärft. Allerdings wird´s immer brutaler, die Grössenordnungen explodieren regelrecht und die Zeit wird immer knapper. Szenarien gibt es sehr viele, und doch liegt noch vieles im Dunkeln. Niemand kann heute genau sagen was, warum und wie passieren wird. Denn dann könnte man auch gegensteuern. Wo geht was, mit welcher Geschwindigkeit und welchem Volumen, wann los, wie reagiert das Umfeld, die Staatengemeinschaft, die Finanzwelt, die Wirtschaft ... dann heisst es gegensteuern und warten ob man überhaupt etwas erreicht. Doch ich denke, was jetzt bald explodieren wird, hilft weder gegensteuern, noch davonlaufen.

... doch der Wasserfall, dem wir uns nähern, ist immer lauter zu hören und einigen geht die Kraft aus. Der tiefe Fall kommt unweigerlich und immer schneller näher ...



Johannes (schnittpunkt2012.blogspot.com)


PS: Unbedingt lesen: Die Nebel lichten sich von Anonymus (hartgeld.com).


Meldungen:

Obamas neues Auto: "The Beast" (kurier.at)
Cinas Handel schrumpft in Rekordtempo (welt.de)
Asien bricht der Export weg (zw-magazin.ch)
Staaten fluten Finanzmärkte (ftd.de)
Bei deutschen Immobilien drohen Notverkäufe (welt.de)
Finger weg von Staatsanleihen (focus.de)

Ackermann mit Kreilaufkollaps vorübergehend in Klinik (derstandard.at)

Wiedereinmal herrlich zu lesen, Michael Winkler´s Pranger (michaelwinkler.de)



Fed: Situation in USA weiter verschlimmert. Die Wirtschaftskrise in den USA findet kein Ende. Der „Beige Book“ genannte Konjunkturbericht der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist mehr als eindeutig. Vor allem das schlechte Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel hat die Lage noch verschlimmert. (handelsblatt.com)

Citi löst sich auf
– Aktie im freien Fall. Die Aktie der Citigroup schloss am Mittwoch 23,2 Prozent tiefer. Hintergrund sind umfassende Umstrukturierungen der Bank. Die Ausgliederung der Vermögensverwaltung gilt nur als erster Schritt. (handelsblatt.com)

Die größten Gefahren für die Welt. Das World Economic Forum ist pessimistisch: In seinem Bericht skizziert es die größten Risiken, die 2009 auf die Weltwirtschaft zukommen. (kurier.at)

Anträge auf Zwangsvollstreckung um 80 Prozent gestiegen. Mehr als 2,3 Millionen Hausbesitzern in den USA hat im vergangenen Jahr die Zwangsversteigerung ihres Heims gedroht. Die Zahl der Anträge auf Zwangsvollstreckung ist damit im Vergleich zu 2007 um 81 Prozent in die Höhe geschossen. (nzz.ch)

Rettungspaket mit Spätfolgen. Hans-Werner Sinn (Ifo): Warnung vor „beträchtlichen Nebenwirkungen“ der steigenden Staatschulden. Industrienationen wie Deutschland nicht vor Debakeln gefeit, wie sie beispielsweise das insolvente Island derzeit erlebt. (mmnews.de)

Baustopp für Burj Dubai - welthöchster Wolkenkratzer unvollendet. Das höchste Gebäude der Welt, der Wolkenkratzer Burj Dubai, wird nicht weiter gebaut. Wenn es ein Symbol für die weltweite Finanzkrise gibt, dann ist es dieser Baustopp. Aus dem Märchen aus 1001 Nacht erwacht derzeit die ganze Region. (mmnews.de)

Erste Probleme für Obama im Kongress. Ministerbesetzungen und Freigabe weiterer Milliarden für Banken verzögern sich. Obamas Konjunkturpaket soll 825 Milliarden Dollar umfassen - Warten auf Minister. (derstandard.at)

Ist der Euro am Ende? Die Ratingagenturen stufen Spanien herab, die finanzielle Lage Irlands ist bedrohlich, Italiens Schulden sind gigantisch und Griechenland ist de facto bankrott. 2009 wird zum Stresstest für die Einheitswährung. (bernerzeitung.ch)

Staatsanleihen – Spanien droht zu straucheln. Staatsanleihen schwacher EU-Staaten verlieren stark gegenüber Bundesanleihen. Viele südeuropäische Länder müssen die höchsten Zinsaufschläge seit Gründung der Währungsunion zahlen. Gläubiger trauen vor allem Staaten wie Spanien nicht mehr. Pessimisten glauben, dass die Währungsunion in Gefahr schwebt. (welt.de)

„Auf die Krise folgt der Kollaps“ (von Ingo Narat) Dem katastrophalen Aktienjahr 2008 wird ein ruhigeres 2009 folgen. Das zumindest erwarten die meisten Bankenexperten. Doch nicht alle Experten teilen den vorsichtigen Optimismus. Eine Gruppe von Querdenkern sagt den Märkten noch viel turbulentere Zeiten voraus. Sie erwarten eine schlimmere Depression als in der Weltwirtschaftskrise 1929. (handelsblatt.com)

Nichts tun besser als retten! Marc Faber: Beginn der schwersten Wirtschaftskontraktion seit der "Great Depression". Staatseingriffe falsch. Staatsanleihen letzte große Blase. Staaten als letzte Zahler im Schneeball-System. Kollaps deshalb unvermeidlich. (mmnews.de)




Heute mal statt dem obligatem "Tipp zum Bunkern" ein "Tipp zum Hören". Vor einigen Tagen hatte Friedrich Gamerith aus dem Burgenland die Präsentation seiner neuen CD "Gummibären lügen nicht", eine wunderbar sarkastische und zynische Betrachtung der Finanzkrise. Mehr über den Künstler und seinem neuen Silberling auf gamerith.net und geniessen sie das Video "Staatsgarantie"




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