Sonntag, 18. Januar 2009

Verwirrend

Wer sich zum jetzigen Zeitpunkt im Internet über den Stand der Krise und kurz- wie auch langfristige Prognosen informieren möchte, stösst auf äusserst unterschiedliche Einschätzungen. So erhielt ich dieser Tage ein Mail, dem ein Communique des rennomierten Oxford Club angehängt war: "Begonnene Aufwärtstendenz der internationalen Finanzmärkte wird sich dieses Jahr fortsetzen". Auf anderen Seiten wird wiederum vom totalen Zusammenbruch geschrieben. Da stellt sich natürlich die Frage, was ist richtig? Erholen sich die Finanzmärkte? Kommt es zu keinen Bankrott wichtiger Staaten? Kann der US-Dollar durch Obamas Engagement weiter bestehen oder wird er kollabieren? Wird sich die Krise langsam aber sicher entspannen oder haben wir den Crash noch vor uns?

Ich habe seit Mitte 2007 vor allem die Einschätzungen von Bankern, Finanzexperten, Brokern und "Börsengurus" gelesen und damals wie heute analysiert. Fakt ist, die meisten der sogenannten Experten sind tatsächlich weit weg von den tatsächlichen Vorgängen gelegen. Fast keine Prognose hat gestimmt. Als illustres Beispiel dienen Joe Akkermann, der Chef der Deutschen Bank, sowie der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (von österreichischen Experten schreibe ich gar nix, denn das ist noch viel blamabler ... siehe unseren ehem. Bundeskasperl Gusenbauer, der sich vollkommen realitätsfremd gegeben hat, zumindest in der Öffentlichkeit!). Beide deutschen "Experten", und man nimmt an, dass der Chef der Deutschen Bank und der Finanzminister des wichtigsten europäischen Landes mit der besten Wirtschaftsleistung doch von ihrem Metier etwas verstehen bzw. die jeweils aktuelle Lage richtig einschätzen können, haben fast unisono ein Jahr lang behauptet, die Talsohle sei erreicht. Es ging aber noch weiter runter und das in immer schnellerem Tempo. Ebenso viele "Börsenexperten" die immer wieder Licht am Ende des Tunnels sahen ... bis Peer Steinbrück sagte: "Das ist nicht das Licht am Ende des Tunnels, sondern der Zug der uns entgegen kommt!"

Nehmen wir das Oxford Club Communique als Beispiel her. Laut dieser Publikation, ist die extreme Geldvermehrung kein Problem. Auch sehen die Autoren keine Gefahr einer "Anleihen-Bubble". Das soll heissen, dass Anleihen, besonders von den wichtigen Staaten nicht kollabieren, sondern, auch bei möglichen Währungsreformen, vielleicht wertgemindert, aber trotzdem nicht wertlos werden. Ebenfalls wird das 0%-Zinsenpaket von Amerika und nachfolgenden Staaten keine gröbere Erschütterung am Finanzmarkt bewirken. Die Fed kauft alles auf, auch faule Papiere und druckt neues Geld in unvorstellbaren Mengen.

Andere Ökonomen glauben allerdings, dass man auch abseits der Finanz- und Bankenwelt schauen muss. Und hier spielt sich gerade ein äusserst desaströser Vorgang ab. Trotz milliardenschwerer Bankenhilfe bekommen Unternehmen kaum frisches Geld, Kreditlinien werden storniert, Kredite fällig gestellt. Anscheinend benötigen die Banken das gesamte Hilfspaket um ihre Verluste (die allerdings noch nicht alle aufscheinen!) abzudecken. Es bleibt vor allem für die mittelständischen Unternehmen kaum was übrig. Weiters ist ein noch nicht verifizierbarer Anteil von Derivaten auf dem Markt, man munkelt von einer Billiardensumme, wo mit Sicherheit noch einige Banken in Schieflage geraten werden und möglicherweise nicht mehr gerettet werden können.

Auch bei den Staatsanleihen bietet sich ein differenziertes Bild, was die Prognosen betrifft. Mögen vielleicht es einige Staaten schaffen, das Vertrauen in irgendeiner Form aufrecht zu erhalten und dadurch noch über diesen Weg zu frischem Geld zu kommen und damit die fälligen Anleihen refinanzieren zu können. Allerdings wissen wir, dass es Staaten gibt, die sich gerade bei den Staatsanleihen in einer fast aussichtslosen Situation befinden: Spanien, Irland, Griechenland, Italien, Baltikum, etc. Hier wird vermutlich kaum noch ein Investor einsteigen ... doch der Bankrott dieser EU bzw. Eurostaaten wird mit Sicherheit nicht spurlos für die Gemeinschaft sein ...

Es kämpfen einige Staaten derzeit um das blanke Überleben. Für viele von ihnen gibt es kaum eine Chance. Die Frage ist, wie werden diese Staatspleiten andere Staaten beeinflussen. Zum Beispiel steht Grossbritannien ziemlich schief da - wieder einige Banken die Milliarden benötigen, der Pfund verliert fast stündlich, die Immobilienpreise fallen ins Bodenlose ... usw. Man kann erwarten, dass Grossbritannien mit Sicherheit einige andere Staaten mit nach unten reisst.

Derzeit streiten sich Experten auch darum, was jetzt kommen wird: Deflation, Inflation oder gar Hyperinflation. Viele versuchen aus vergangenen Krisen und Crashes Vergleiche zu ziehen. Andere Sagen, diese Krise hat ihre eigenen Gesetze und damit auch ihre eigene Dynamik.

Ich denke, wir werden es bald wissen! Diese "Krise" ist nicht vergleichbar! Sie artet auch immer weiter aus, hat eine eigene Dynamik bekommen. In zwei Tagen wird Barrack Obama als neuer Präsident der Vereinigten Staaten angelobt. Er hat keine Schonfrist, er muss sofort und umfassend handeln. Vielleicht schafft er es, das Ruder herumzuwerfen, ich persönlich glaube es nicht. Dazu ist es zu spät. Entsprechende Massnahmen hätten wahrscheinlich schon 2007 eingeleitet werden müssen, aber damals waren die "Experten" noch blind und optimistisch ...

Oxford Club-Marktkommentar: Begonnene Aufwärtstendenz der internationalen Finanzmärkte wird sich dieses Jahr fortsetzen!


Johannes (schnittpunkt2012.blogspot.com)



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Tipp zum Bunkern:
Schnecken - so komisch es klingen mag, Schnecken sind 100%iges Protein, ziemlich geschmacklos und in Dosenform sehr gut und lange zu lagern und können das Krisenlager ergänzen. Ich habe jedenfalls einige Dosen eingebunkert und emphehle sie auch weiter! (Erhältlich im Lebensmittelfachhandel)




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