Dienstag, 16. Dezember 2008

Misstrauen unter den Banken

Gestern gab es Gerüchte, dass die J.P. Morgan Bank in extreme Schieflage geraten ist. Angeblich haben die (was sonst) verlustreiche Derivate in Billionenhöhe im Keller, von denen einige heuer noch fällig werden. Die J.P. Morgan ist die derzeit wichtigste Bank in den Vereinigten Staaten. Und sie ist zu gross, um aufgefangen zu werden ...

Weiters ist es für mich ein Phänomen, dass viele Banken, die immerzu beteuern, mit dem ihnen anvertrauten Geld sorgfältig und vorsichtig umzugehen - es sollte sich ja vermehren - beim Milliardenbetrüger Madoff investierten. Ist sein ehemaliger job als Vorsitzender der NASDAQ-Börse ein Freibrief für seine angebliche Seriosität und seine gute Nase für Investitionen? Wieder ein Beispiel, warum derzeit die Banken untereinander kein Vertrauen haben. Und so fällt dieses ausgeprägte MIsstrauen nun der Realwirtschaft, vor allem Klein- und Mittelbetrieben auf den Kopf, denn sie sind derzeit fast nicht in der Lage Kreditfinanzierungen zu bekommen. Allerdings müssen viele Aufträge fremdfinanziert werden. Ist das nicht mehr möglich, weil kein Kredit mehr gewährt wird, kann auch nicht gearbeitet werden. Das Räderwerk steht still ...

An diesem Problem ist auch der interkontinentale Warenverkehr zusammengebrochen. Die notwendigen Bankgarantien waren entweder nicht mehr zu bekommen oder wurden (des Misstrauens der Banken untereinander) nicht mehr anerkannt. Wir werden das in einigen Wochen auch im Einzelhandel spüren, wenn viele Importprodukte nicht mehr verfügbar sind.

Wegen diesen Problemen befindet sich die chinesische Wirtschaft in einem Zustand, der einem Zusammenbruch nahekommt. Bis November haben in China rund 80.000 Fabriken zugesperrt! Und es werden täglich mehr. Wenn der Konsument in Amerika oder Europa zu sparen beginnt, bleiben viele Artikel im Verkaufsregal und werden nicht nachbestellt. Fazit: Die Fabriken bekommen keine Produktionsaufträge mehr. Soziale Unruhen werden auch in China erwartet! China ist die Globalisierung integriert. Ohne diese wäre kein Aufschwung möglich gewesen. Damit sind sie aber genauso abhängig vom Weltgeschehen, in diesem Fall auch von der Finanzkrise, wie alle anderen Staaten auch!

Man darf allerdings erwarten, dass wenn die Schwierigkeiten in China grösser werden, die Parteiführung handeln wird. Mit grösserem Ausverkauf von US-Dollarreserven ist somit zu rechnen. Denn wenn Amerika als Konsument ausfällt, wird er nicht mehr gebraucht. Das heisst, dann braucht der "Greenback" auch nicht mehr gestützt werden. Und wenn China weitgehend alle Dollarreserven auflöst, dann kollabiert der US-Dollar in kürzester Zeit. China ist das eigene Land näher, als der bankrotte Konsument jenseits des Ozeans. Deswegen werden sie auch nicht viele Hemmungen haben ...

Die Frage ist nur, in was oder welche Währung investiert China, wenn sie den Dollar fallen lassen? Gold oder Euro? Der Yen wäre noch, allerdings kommt der seit 15 Jahren kaum aus der Krise heraus. Oder die Alternative, der Rubel, doch im Moment wäre das undenkbar, denn "Freunde" sind China und Russland nur auf dem Papier und in den Medien ...

... spannende Wochen sind garantiert!

Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



[Quelle: David Dees]


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Tipp zum Bunkern:
Knäckebrot - trockenes Knäckebrot, in vielen Varianten, ist leicht und sehr lange zu lagern. Unbedingt darauf achten, dass es wirklich trocken lagert, dann kann eigentlich nichts passieren. Ideal als Alternative zum selbstgebackenem Brot ... wer weiss, vielleicht bekommen wir zeitweise keinen Strom ... (Erhältlich in allen Supermärkten und im Lebensmittelfachhandel)




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