Dienstag, 2. Dezember 2008

Besteht die Krise nur aus Börsenkursen?

Gestern war wieder ein schwarzer Tag für Börsianer. Die wichtigsten Börsen gaben mehr als 5% nach. Doch das waren nicht die einzigen Hiobsbotschaften (siehe Links!)

Bei uns in Graz wird ein Gratismagazin namens Weekend verteilt. Neben Pseudoartikel, die meist irgendwie über Werbung finanziert werden, bleibt der redaktionelle Teil ziemlich klein und meist auch nicht sehr interessant. In der letzten Ausgabe versuchten sie über die Finanzkrise zu schreiben ... und das ging komplett daneben. Warum? Sie machten den Fehler, den viele Berichterstatter derzeit ebenfalls machen. Sie reduzieren die Finanzkrise fast alleine auf die fallenden Börsenkurse. Mit dem (leider ernstgemeinten) Hinweis, nach einem Börsentief kommt auch wieder ein Börsenhoch. Gespickt mit Kommentaren von Experten, die diese Behauptung untermauern. Nebenbei auch, dass die Krise herbeigeredet wurde, quasi, es ist im Grunde nicht so schlimm ...

Eine derartige Berichterstattung finde ich unseriös und gefährlich. Denn bei den Börsen handelt es sich nach wie vor um Realwerte, die zwar eingebrochen sind, doch weder der Auslöser der jetzigen Situation waren, noch wichtiger Faktor. Ich sehe die Börse bzw. die Aktienkurse als Spiegel der Gesamtwirtschaft. Sicher waren viele Werte überzogen gewesen und noch wird an den Börsen gehandelt. Für die Krise und dem bevor stehenden absoluten Crash sind andere Faktoren wesentlich wichtiger: der unglaubliche Handel mit Derivaten (Leerverkäufen, Refinanzierungen, Kreditfinanzieren, etc. - also reine Papierwerte), die desaströse US-Politik, vor allem durch den FED-Chef Greenspan, der dadurch die Immobilienblase erst ermöglicht hat, das Leben auf Pump von Staaten, Unternehmen, Konzernen und Privaten ...

... und dass irgendwo ein Licht am Ende des Tunnels sein sollte, ist reines Wunschdenken. Nichts deutet darauf hin, dass die Wirtschaft sich erholen würde, im Gegenteil. Warum lügen solche - ich bezeichne sie unprofessionelle Medien - ihre Leser an? Im Prinzip egal, denn es liest solche Blätter nur ein kleiner Teil der Gesellschaft (ich z.B. nur dort, wo auch der Kaiser zu Fuss hingegangen ist ...). Warum sagt man den Menschen nicht endlich die Wahrheit, ohne die Katastrophe herbei zu reden, ohne zu Übertreiben - sondern einfach die Fakten am Tisch legen und die Aussichten als ziemlich düster zu definieren. Denn ich glaube nicht, dass wir die nächste Zeit uns nur mit Massenentlassungen, Nullwachstum, Rezession, Staatshilfen herumschlagen müssen. Ich rechne mit Hunger, Währungsreformen, Revolten und Bürgerkrieg.

... aber richtig, auch das wird vorbei gehen (für den, der es überlebt!)

Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:

Kalifornien: Schwarzenegger ruft Finanznotstand aus (diepresse.com)
2009 regnet es Billionen (mmnews.de)
Jahr der Dosensuppe (investor-verlag.de)
Britische LSB pleite (teleboerse.de)
Goldmann Sachs schribt Milliardenverlust (spiegel.de)


USA: Jetzt werden auch Waffen knapp - US-Amerikaner bereiten sich mit Schusswaffen auf finanzielle Katastrophe vor. Nachfrage hoch wie nie. (mmnews.de)

Wirtschaftsdebakel. Schussfahrt in Richtung Weltrezession. Die Finanzkrise zwingt die Industrie weltweit in die Knie. Die US-Industrie verlor im November so stark an Schwung wie seit 26 Jahren nicht mehr, in Deutschland schrumpft die Industrie so stark wie nie zuvor seit Beginn der Umfrage 1996 - und Japans Autoindustrie erlebt den schwersten Einbruch seit 40 Jahren. Jetzt treffen sich Zentralbanker zur Krisensitzung. (manager-magazin.de)

US-Börsenschluss. Wall Street startet Woche mit Crash. Nach der Kursjagd der vergangenen Woche sind die US-Märkte wieder auf dem harten Boden der Realität angekommen. Gegen Ende des Handelstages rutschten die Kurse immer weiter in die Tiefe. (ftd.de)

Zehntausende ziehen protestierend durch die Städte. 10.000e wütende Chinesen zogen, mit Äxten, Eisenketten oder Holzknüppeln bewaffnet durch das Zentrum von Longnan in Chinas nordwestlicher Provinz Gansu. Sie schlugen auf Polizeibeamte ein, setzten öffentliche Gebäude in Brand, plünderten Supermärkte und zertrümmerten Autos ... (china-intern.de)



Tipp zum Bunkern:
Schokolade - ... ist nicht nur zum Naschen. Schokolade ist ein wichtiger Energiespender. Man sollte allerdings darauf achten, Schokoladen mit höherem Kakaoanteil einzubunkern. Also nicht nur Milchschokolade, sondern hauptsächlich Zartbitter bis bitter. Wenn es der Schokolade nicht zu warm oder zu kalt wird, hält sie einige Jahre. Keine gefüllten Schokoladen, denn die Füllung kann austreten.
(erhältlich im Lebensmittelfachhandel)


Wissen: Währungsreform (wikipedia.de)


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