Donnerstag, 20. November 2008

Warum interessiert dem Mainstream die Krise nicht?

Gestern fielen die Börsenkurse wieder - der DAX unter 4.500, der ATX unter 1.700 und der DOW JONES unter 8.000. Besonders die Autowerte crashen, aber das war zu erwarten. Ich bin neugierig, ob sich die Börsen in den nächsten Tagen wieder erfangen oder ob es weiter abwärts geht. Das Vertrauen in die Finanz- und Wirtschaftsunternehmen ist jedefalls dahin. Jeder versucht nur mit möglichst wenig Verlusten heraus zu kommen. Das Damoklesschwert der desaströsen Hedge Fonds hängt noch immer über der Finanzwelt, das heisst, hier ist noch gewaltiges an Crashpotential vorhanden.
Besorgniserregende Nachrichten kommen auch aus Grossbritannien, plötzlich steht ein Beitritt zur Eurounion im Raum - nachdem das Pfund katastrophal nachgab. Es könnte aber zu spät sein! Droht der königlichen Insel das gleiche Schicksal wie Island? Auszuschliessen ist wohl nichts mehr ...

Ich war gestern auf ein Glas Junker (der neue, frisch-fruchtige Wein aus der Steiermark - Jahrgang 2008) und hörte ein Gespräch zweier Gäste an der Bar. Der eine war Polizist, der andere ist Geschäftsführer einer grossen Sportartikelkette. Sie beschwerten sich über die Schwarzmaler, denn eigentlich geht es uns ja sehr gut. Dass die Umsätze sinken, sei nicht katastrophal, denn es kann nicht immer nur Steigerungen geben. Nächstes Jahr wird wieder besser, wenn die Zeitungen endlich aufhören, die Krise herbei zu reden. Das betrifft sowieso nur Zocker an der Börse ... es ist erschreckend, wie viele Menschen die Krise, die sich zu einem gewaltigen Crash entwickelt, als lästiges, fast banales Ereignis abtun und nichts davon wissen wollen. Es sind jene, die dann, wenn es in die heisse Phase geht, sich wiederum beschweren, warum sie niemand gewarnt hat. Und genau das wird für viele ein Problem. Trotz offensichtlichen Untergang der Systeme, wollen sie nichts davon wissen und finden es sogar als Belästigung. Nach dem Motto: Was soll passieren, uns geht es ja gut!

Dies hat aber auch Gründe. Zum einen möchte man den Wohlstand nicht missen und kann sich auch kaum vorstellen, plötzlich nicht mehr einkaufen gehen zu können, die angesparte Pension ersatzlos zu verlieren und keine Arbeit mehr zu haben. Zum anderen wird mit Begriffen jongliert, mit denen viele nicht kennen: Derivate, Hedge Fonds, Refinanzierungen, Call und Put Optionen ... und man kann sich kaum vorstellen, wie viel Geld 1 Milliarde eigentlich wirklich ist!
Eine Milliarde €uro sind 1.000 Millionen €uro und eine Zahl mit 9 Nullen (1.000.000.000), das entspricht ungefähr 40.000 Mittelklasseautos oder 6.500 Einfamilienhäuser, oder über 27 Jahre jeden Tag über 100.000 €uro ausgeben zu können. Ja, das übersteigt unsere Vorstellungskraft, wenn es heisst, General Motors hat 475 Milliarden U$ Schulden und würde im Falle eines Konkurses über 3 Millionen Arbeitsplätze allein in den USA vernichten. 475 Milliarden U$ entspricht 19.000.000 Mittelklasseautos oder über 3.000.000 Einfamilienhäuser oder fast 13.000 Jahre täglich über 100.000 U$ ausgeben zu können ... Tja, unfassbar, unvorstellbar ... Prost!

Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)


Meldungen:

Wie Island in der Krise lebt - die Party ist vorbei (orf.at)
Geht England unter? Flucht in den Euro? (mmnews.de)
Citigroup durch? (mmnews.de)
Die nächste Monsterwelle rollt! (handelsblatt.com)
Washington steigt bei 21 weiteren Banken ein (derstandard.at)

Dow Jones rutscht unter 8000 Punkte. Die Autobranche in der Krise, die Börsen auf Talfahrt: Der Dow-Jones-Index ist um gut fünf Prozent gefallen und schließt auf dem tiefsten Stand seit der Irak-Invasion im März 2003. Die US-Notenbank prophezeit weiter Düsteres - und verstärkt damit die Angst vor dem Kollaps. (spiegel.de)

Bayerische Landesbank. Die Kleinsparer. Sie wollten bei den ganz Großen mitspielen, eine eigene Bank haben, fette Gewinne einstreichen und im Kasino gut speisen. Das ging krachend schief. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall der Bayerischen Landesbank. (stern.de)

Jetzt kommt die Pleitewelle mit Kreditkarten. Die US-Wirtschaft hat die Folgen der Immobilienkrise noch nicht richtig verarbeitet, da kommt die nächste Hiobsbotschaft: Die Bank of America warnt vor riesigen Verlusten im Kreditkartengeschäft. Millionen Privatkunden haben hohe Schulden. Und können sie immer seltener zurückzahlen. (welt.de)

"Wir stellen uns auf harte Zeiten ein": Die Konjunkturkrise erfasst den weltgrössten Chemiekonzern BASF. 80 Anlagen müssen zeitweise schließen, hundert die Produktion drosseln - betroffen sind weltweit 20.000 Beschäftigte, davon 5000 in Ludwigshafen. Die Aktie des Konzerns stürzt ab. (spiegel.de)


Tipp zum Bunkern:
Erbswurst von Knorr - ist eines der ältesten industriell hergestellten Fertiggerichte. In Wasser aufgekocht, kann aus ihr in kurzer Zeit eine sämige Erbsensuppe hergestellt werden. Dazu werden die Portionsstücke zerdrückt, in kaltem Wasser aufgelöst und einige Minuten gekocht. Fast unbegrenzt haltbar, einfach zu kochen, schmackhaft und hoher Nährwert!
(erhältlich in fast allen Supermärkten)


Wissen: Aktienindex (DAX - ATX - DOW JONES - NIKKEI)



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