Donnerstag, 27. November 2008

Wir sind auf einem Schiff ohne Steuermann im Sturm ...

Vorgestern hörte ich eine Radiosendung (Radio Graz), in der ein Wirtschaftspsychologe interviewt wurde. Er beschwerte sich darüber, dass die "Finanzkrise" in den Medien und von den Politikern herbeigeredet wird. Eine ziemlich gewagte Behauptung. Ich bin der Meinung, es wird zu wenig, viel zu wenig informiert. Die Menschen sind nicht vorbereitet. Irgendwann, in ein paar Tagen, ein paar Wochen oder Monaten kollabiert unser System. Das kann keine Regierung, auch wenn sie Milliarden Dollar oder Euro zur Rettung freigibt, aufhalten. Die Amerikaner haben die Chance gehabt, vor ungefähr einem Jahr - jetzt ist es zu spät, jetzt hat eine enorme Eigendynamik eingesetzt ... mit progressiv steigender Geschwindigkeit. Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben und jeder, jeder Mensch dieser Erde wird davon betroffen sein ...

Allerdings kann niemand sagen, was als nächstes passiert, wie schnell was passiert. Das ist höchst unseriös, denn diese alles vereinnahmende Eigendynamik kann auch kein Staat mehr steuern, geschweige denn stoppen. Wir alle sind auf einem Schiff ohne Steuermann im Sturm. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es sinkt. Doch wo, wann und wie steht in den Sternen. Laufen wir auf ein Riff auf, kollidieren wir mit einem andern Schiff oder versenkt uns eine grosse Welle. Wir sind der Willkür ausgesetzt ...

... und doch können wir uns vorbereiten, wenn wir wissen, was uns erwarten kann. Vielleicht wird der Aufprall dann nicht so stark. Ich frage mich, was all die Menschen dann tun werden, wenn plötzlich kein Geld mehr verfügbar ist, die Supermarktregale leer und die Tankstellen trocken. Werden sie aufbrechen, die Politiker zu lynchen, zu Plündern wo was zu holen ist, oder warten sie apatisch, bis jemand sagt: "Es ist vorbei!"

Wie gestern schon erwähnt, der amerikanische Börsenastrologe Merriman sagt für morgen Kursexplosionen an den Börsen
voraus.
(seine Prophezeiungen sind meist ziemlich genau!)

Des öfteren werde ich gefragt, warum ich so sicher bin, dass zum einen das, was wir bisher erlebt haben nur die Ouverture ist und noch sehr, sehr viel nachkommt und zum anderen immer wieder Artikel in den Medien stehen, die dezitiert einen Wiederaufschwung ab März 2009 prolongieren. Es war bisher nur die Ouverture, denn es wird zuviel versteckt und verheimlicht. Es muss noch einiges nachkommen, denn sonst wären Banker, Wirtschaftler und Politiker ein klein wenig ehrlicher (... oder sie sind allesamt überfordert!). Was wir alle wissen, wo sich noch schwarze Löcher auftun, sind: die Derivatblase in Billionenhöhe, die faulen Kreditlinien bei den Plastikgeldunternehmen (Credit Cards) und den immer weniger handelbaren Staatsanleihen. Dazu kommt, dass viele Länder enorme Goldreserven auf den Markt geworfen haben und möglicherweise jetzt der Rückhalt für die jeweilige Währung fehlt (... andere Staaten haben massiv ihren Goldstand aufgestockt - Vatikan, Russland, Iran - warum wohl?). Wenn jetzt der Blitz einschägt, geht es tatsächlich "blitzschnell". Weil schon viel zuviel Geld im Spiel ist. Jetzt geht es nicht mehr um Wochen oder Monate, sondern der "Mega-Domino-Day" kann täglich stattfinden. Die Arzneien (Gegenmittel) sind alle verbraucht, neue Rezepte gibt es nicht und eigentlich liegt der Patient bereits im Koma. Er wacht immer nur für Momente auf, ist aber total benommen. Der Kapitalismus in der uns bekannten Form ist tot und mit ihm ist der freie Markt ebenfalls von uns gegangen. Denn all diese Rettungsmassnahmen sind höchst manipulativ und zerstören ein bisheriges Axiom.

Zum zweiten Punkt, es kann derzeit keine Entwarnung gegeben werden (siehe obenstehende Gründe!). Wie irgendwelche studierte Fachpropheten hinausposaunen können, es gehe ab März, oder irgendwann im nächsten Jahr, wieder Bergauf und die "Finanzkrise" wäre überstanden, wundert mich. Es gibt nämlich absolut keine Anzeichen auf eine Trendwende, im Gegenteil. Zuerst Freunde, scheppert´s gewaltig - und wenn das System implodiert ist und am Boden liegt, erst dann kann was Neues entstehen, etwas Neues, das Notwendig ist, wie nichts anderes auf dieser Welt - ein neues, menschenwürdiges und menschengerechtes System, ohne dass ganze Kontinente mehr oder weniger vergessen werden (Afrika), ohne dass alles auf eine Handvoll Mächtiger aufgeteilt wird. Bis dahin wird der Mensch bluten, bluten wie nie zuvor! Das muss uns allen bewusst werden, denn ohne, gibt es kein neues System ...

Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)


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Rettung des US-Finanzsystems. 700 Milliarden? Ha! Es sind 8500 Milliarden. Mit wie viel Geld haftet der amerikanische Staat tatsächlich für das US-Finanzsystem? Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat erstmals alle Fazilitäten, Garantien und Nothilfen addiert - und kommt zu einem unfassbaren Ergebnis. (ftd.de)

Industrie-Stimmung sinkt auf Allzeit-Tief - Bank Austria-Einkaufs­managerindex: Der starke Abwärtstrend setzt sich auch im November fort, Erzeuger leiden unter hartem Wettbewerb. (derstandard.at)

"Das ist aber erst der Anfang. Im Jahre 2009 werden wir titanische Erschütterungen und Veränderungen der globalen Weltordnung erleben, mit Ausmaßen, die es wahrscheinlich in den letzten 500 Jahren nicht gegeben hat. Deshalb reden wir vom Ende des »Amerikanischen Jahrhunderts« und seines Dollarsystems." (kopp-verlag.de). Dem ist zuzustimmen. Man muß sich darüber im Klaren sein, daß der Scherbenhaufen nicht virtuell, sondern real sein wird, d.h. es geht uns allen an den Kragen. Man muß weiterhin klar aussprechen, daß solange dieser Irrsinn gut ging, fast alle wie im Dritten Reich und in der DDR mitgemacht und keinerlei Fragen gestellt haben.

Krise, wirklich alles Krise? Schreiben wir die Krise schlimmer als sie ist? Gibt es denn gar keine guten Nachrichten? Welche Chancen birgt die Krise? " (mmnews.de)


Tipp zum Bunkern:
Nudeln - Nudeln in jeder Form - Spaghetti, Spirali, Bandnudeln, Hörnchen ... leicht zu zubereiten, mit Butter, mit Sauce, mit Sugo - ein äusserst varibles Lebensmittel, leicht und lange zu lagern, billig und ausserdem isst Nudeln fast jeder gerne ...
(erhältlich in allen Supermärkten)


Wissen: Detroit, früher Motown genannt (wikipedia.de)



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