Dienstag, 25. November 2008

Der Tag danach ... was passiert jetzt?

Zunächst, die Börsen haben positiv reagiert und mit kräftigem Plus geschlossen. Die Abwärtsspirale der gesamten Finanz- und Wirtschaftskrise wurde vorerst abgebremst (nein, nicht gestopt!). Dass dieses Paket nur Anlass zur Freude ist, wird wohl niemand annehmen. Natürlich gibt es vergleichbare Szenarien in der Geschichte, doch danach abzuleiten wäre ein einseitiger Fehler. Warum? Weil sich die Welt seit damals geändert hat, vor allem die Finanzmärkte, die noch immer das schwächste Glied in der Krise sind.

Amerika ist durch die Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland, vornehmlich nach Südostasien ein reines Dienstleistungsland geworden. Die Produktivität ist auf ein Mindestmass gedrückt worden. Ich darf darauf aufmerksam machen, dass z.B. ein typisch amerikanisches Produkt, nämlich die Levis Blue Jean, schon längere Zeit nicht mehr in den USA produziert wird. Ja, wir tragen asiatische Jeans ... Eine der wenigen verbliebenen Industriezweige ist die Autobranche samt vielen Zulieferunternehmen. Doch wir wissen, dass diese Branche durch Versäumnisse marktgerechte Autos herzustellen, am Rande des Abgrunds stehen. Und dies nicht erst seit heuer. Chrysler z.B., hat in den 90ern einen Höhenflug gehabt, als Lee Iacocca das Unternehmen vor dem Ruin bewahrte. Seit einigen Jahren waren - trotz Fusionierung mit Daimler-Mercedes - die alten Probleme wieder akut. Heute steht Chrysler, wie General Motors auch, kurz vor dem Bankrott.

Der stärkste Wirtschaftszweig war in den vergangenen Jahren der Finanz- und Investmentsektor. Rund ein Drittel aller Investments weltweit, wurden über die USA abgewickelt. Dass in dieses System von Beginn an gewaltig überzogen war und schon damals von innen zu faulen begann, bemerkte niemand. Erst als die Immobilienblase platzte. Da war aber schon Feuer am Dach. Plötzlich wurden unglaubliche Summen bekannt, mit denen Banker operierten. Das Kartenhaus stürzte ein und die ersten Banken pleite. Nun fürchtet man sich - trotz 7,5 Bill. $ Bailout - vor dem Platzen weiterer Blasen: faule Kreditkartenforderungen, Derivate in dreistelliger Billionenhöhe, Fortsetzung der Immobilienkrise ...

Und vor allem, kann durch diesen staatlichen Eingriff das Vertrauen in die Bankenwelt bzw. unter den Banken selbst wieder hergestellt werden? Ich bezweifle es. Leider sieht es aus, als würden sich die Banken selbst sanieren, wie auch bekannt ist, teilweise fürstliche Boni und Prämien auszahlen, doch die Realwirtschaft wird weiterhin unter erschwerten Bedingungen restriktiver Kreditvergabelinien leiden. Und wenn die Realwirtschaft nicht funktioniert, dann helfen auch keine Billionen von der FED.


Weiters ist auch die akute Gefahr einer Deflation durch die enorm gesteigerte Geldmenge gegeben. Das heisst, dass viele Produkte und Dienstleistungen unter ihrem Entstehungspreis angeboten werden müssen, um den notwendigen Umsatz zu bringen. Unternehmen rutschen dadurch ins Minus. Leider kann das sher, sehr schnell gehen und dann hat sich die USA mit den eigenen Waffen geschlagen.

Abzuwarten ist, wie die anderen Staaten, die hohe Dollarbestände haben, agieren werden. Ob sie der USA unter Obama trauen werden, oder ob sie versuchen, ihre "Greenbacks" los zu werden - was den Dollar stürzen lassen würde. Doch vorerst schein Ruhe eingekehrt zu sein, vielleicht auch nur die Ruhe vor dem Sturm!

Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)


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Tipp zum Bunkern:
Tortellini (alla Carne) - sind billig und sehr lange haltbar. Sie schmecken nicht schlecht, allerdings sollte man auch eine Sauce dazu einlagern - entweder fertige Sugos oder Tomatensauce.
(erhältlich u.a. bei Merkur)


Wissen: Bailout (wikipedia.de)



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